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Afghanische Polizei: Sechs Menschen bei pakistanischen Angriffen getötet
Bei pakistanischen Angriffen in der afghanischen Hauptstadt Kabul und in Grenzprovinzen sind den afghanischen Behörden zufolge mindestens sechs Menschen getötet worden. In Kabul wurden nach Angaben der UNO und der örtlichen Polizei vier Menschen getötet. In der ostafghanischen Provinz Nangahar wurde einem Polizeisprecher zufolge ein Haus mit Mörsergranaten beschossen - ein Frau und ein Kind wurden demnach getötet.
In Kabul seien Wohnhäuser angegriffen worden, erklärte ein Polizeisprecher. Unter den vier Toten und 15 Verletzten seien auch Kinder und Frauen. Ein Sprecher der UN-Mission in Afghanistan bestätigte die Angaben.
Der Sprecher der radikalislamischen Taliban-Regierung in Kabul, Sabihullah Mudschahid, meldete im Onlinedienst X auch pakistanische Angriffe in den Provinzen Kandahar, Paktia, Paktika und einigen anderen Gebieten.
Im Kabuler Stadtteil Gusar wurde mindestens ein Haus komplett zerstört, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Mehrere weitere Gebäude wurden schwer beschädigt. Unter das große Polizeiaufgebot auf den Straßen mischten sich schockierte und verletzte Anwohner. "Es gibt hier keine Armeeposten", sagte der Lokalpolitiker Abdul Rahim Tarakil. "Nur normale, arme Leute, die nichts mit Politik zu tun haben."
Der 29-jährige Arbeiter Abdul Wahid sagte AFP, er und vier weitere Mitglieder seiner Familie seien bei einem Angriff kurz nach Mitternacht verletzt worden. Nachbarn hätten ihn nach zehn Minuten unter den Trümmern des Hauses befreit.
In Kandahar, dem Wohnort von Taliban-Anführer Hibatullah Achundsada, wurde ein Brennstoffdepot getroffen, mit dem die Fluggesellschaft Kam Air beliefert wird. Pakistanischen Sicherheitskreisen zufolge handelte es sich um "terroristischen Infrastruktur". Einem Mitarbeiter des naheliegenden Flughafens zufolge wurde der Kraftstoff für Flugzeuge von Hilfsorganisationen eingesetzt.
Die Provinz Nangarhar wurde die Luftabwehr aktiviert, weil das Gebiet von pakistanischen Flugzeugen überflogen, wie ein örtlicher Armeesprecher erklärte. In der nordwestlichen Provinz Kohat gab es laut Polizei Drohnenangriffe.
Ein pakistanischer Sicherheitsbeamter bestätigte AFP, dass die pakistanische Armee in der Nacht zum Freitag Angriffe in Afghanistan geflogen habe. Ziel der Angriffe seien Kämpfer der pakistanischen Taliban (TTP) gewesen. Weiter hieß es aus Sicherheitskreisen, es seien vier "Terrorcamps und unterstützende Infrastruktur" der TTP in Kabul und Kandahar im Süden sowie in der östlichen Provinz Paktia angegriffen worden.
Die Kämpfe zwischen der Taliban-Regierung in Afghanistan und Islamabad waren Ende Februar erneut ausgebrochen. Seitdem sind Taliban-Angaben zufolge dutzende Zivilisten getötet worden. Islamabad betont, in dem Konflikte keine Zivilisten getötet zu haben. Der UN-Mission in Afghanistan zufolge wurden seit dem 26. Februar 75 Zivilisten bei Angriffen der pakistanischen Armee getötet und 193 weitere verletzt. 115.000 Menschen wurden nach UN-Angaben zufolge vertrieben.
Pakistan wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen wie den TTP Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück. Die US-Regierung erklärte, sie unterstütze "Pakistans Recht auf Selbstverteidigung gegen Taliban-Angriffe".
Nachdem im Oktober bei einwöchigen Kämpfen zwischen Pakistan und Afghanistan im Grenzgebiet mehr als 70 Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, vereinbarten die beiden Nachbarländer zwar schließlich unter Vermittlung Katars und der Türkei eine Waffenruhe. Sie konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen.
B.Wyler--VB