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Umfrage: Zwei Drittel der Ärzte machten Gewalterfahrungen im beruflichen Kontext
Zwei Drittel der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland haben laut einem Bericht des "Deutschen Ärzteblatts" bereits Gewalterfahrungen im beruflichen Kontext gemacht. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt sprach deswegen am Mittwoch von einer Gefährdung der Funktionsfähigkeit des Gesundheitswesens. "Angriffe auf Beschäftigte in Kliniken, Praxen, im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr müssen daher konsequenter verfolgt und deutlich härter bestraft werden", forderte er im Rahmen der Neujahrspressekonferenz der Kammer in Berlin.
Das "Deutsche Ärzteblatt" berichtete unter Berufung auf eine Umfrage unter Medizinerinnen und Medizinern, 66 Prozent von ihnen hätten bereits Gewalt bei der Ausübung ihrer Tätigkeit erlebt. 56 Prozent berichteten demnach, dass Gewalt in ihrem Berufsalltag zugenommen habe. Hotspots seien in der ambulanten Versorgung vor allem die Anmeldung und Wartebereiche, im stationären Bereich insbesondere die Notaufnahmen.
Die häufigste Gewaltform sind laut dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht verbale Übergriffe (89 Prozent), gefolgt von körperlicher Gewalt (47 Prozent). Rund 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte berichteten demnach von psychischer Gewalt, 16 Prozent von diskriminierenden Übergriffen aufgrund von Herkunft oder Religion. Die Angreifenden seien überwiegend (76 Prozent der Fälle) alleine handelnde männliche Personen, die eine medizinische Einrichtung aufsuchen, darunter auch Angehörige von Patientinnen oder Patienten.
23 Prozent derjenigen, die solchen Angriffen ausgesetzt waren, wurden laut "Ärzteblatt" vorübergehend in ihrer Berufsausübung beeinträchtigt, neun Prozent dauerhaft. Zehn Prozent der Geschädigten seien durch Attacken arbeitsunfähig geworden. Groß ist dem Bericht zufolge dementsprechend die Nachfrage nach Präventionsangeboten. Genannt worden seien die Einrichtung von Rückzugsräumen (18 Prozent), Fluchtwege (35 Prozent), Notrufsysteme (31 Prozent) oder Deeskalationstrainings (38 Prozent).
"Wer Helferinnen und Helfer angreift, zerstört das Vertrauensverhältnis, auf dem medizinische Versorgung beruht", sagte dazu Reinhardt. Er begrüßte den vom Bundesjustizministerium vorgelegten Gesetzentwurf zur "Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens". Dieser sieht Freiheitsstrafen von mindestens drei Monaten vor, wenn Ärztinnen und Ärzte sowie andere Mitarbeitende von Gesundheitsberufen durch Gewalt an der Ausübung ihrer Arbeit gehindert werden. Bei tätlichen Angriffen drohen sogar Freiheitsstrafen von mindestens sechs Monaten.
"So richtig und notwendig diese Maßnahmen sind, bleibt dennoch entscheidend, dass Strafverfolgungsbehörden ausreichend ausgestattet werden und Anzeigeverfahren einfacher, schneller und niedrigschwelliger gestaltet sind", sagte Reinhardt allerdings weiter. Die Regierungspläne zielen auch auf einen besseren Schutz von Einsatzkräften von Polizei oder Feuerwehr vor gewalttätigen Übergriffen.
I.Stoeckli--VB