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Zahl antimuslimischer Vorfälle erreicht 2024 neuen Höchststand in Deutschland
Die Zahl antimuslimischer Vorfälle in Deutschland hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten "zivilgesellschaftlichen Lagebild antimuslimischer Rassismus" der Organisation Claim hervor, die vom Bildungs- und Familienministerium sowie vom Innenministerium gefördert wird. Demnach wurden im vergangenen Jahr 3080 Übergriffe und Diskriminierungen dokumentiert – ein deutlicher Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zu 2023. Damals waren 1926 Fälle gezählt worden.
Im vergangenen Jahr gab es damit den Angaben zufolge im Durchschnitt mehr als acht Vorfälle pro Tag. Verbale Angriffe machten mit 1558 oder fast 56 Prozent den größten Anteil der dokumentierten Fälle aus. In fast einem Viertel der weiteren Vorfälle ging es um Diskriminierungen, in rund 21 Prozent um verletzendes Verhalten.
Eine Zunahme registrierte Claim 2024 auch bei schweren Delikten. Insgesamt verzeichnete die Organisation zwei Tötungsdelikte und 198 Körperverletzungen, darunter drei schwere Körperverletzungen beziehungsweise versuchte Tötungen. 2023 waren keine Tötungen und 182 Körperverletzungen dokumentiert worden.
968 der antimuslimischen Vorfälle richteten sich im vergangenen Jahr demnach gegen Einzelpersonen. In 261 Fällen waren Gruppen und in 72 Fällen religiöse Einrichtungen betroffen, zum Großteil Moscheen. In 71 Prozent der dokumentierten Fälle, in denen Angaben zum Geschlecht der Betroffenen vorliegen, waren Frauen die Betroffenen.
"Wir erleben in Deutschland eine neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung", erklärte Claim-Ko-Geschäftsführerin Rima Hanano. Es gebe "nicht nur einen massiven Anstieg, sondern auch eine neue Qualität von antimuslimischem Rassismus in Form einer zunehmenden Normalisierung, Enthemmung und Brutalität".
Claim fordert deshalb eine bessere Erfassung antimuslimischer Vorfälle – das Dunkelfeld sei enorm, heißt es im Lagebild. Weitere Forderungen sind mehr Schutz und Beratung für Betroffene sowie "ein neuer Nationaler Aktionsplan gegen Rassismus".
"Gewalt, Ausgrenzung und Beleidigungen gegen Musliminnen und Muslime sind Alltag in Deutschland", erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Antirassismus, Natalie Pawlik. "Das dürfen wir nicht akzeptieren. Wir müssen das ganze Ausmaß von antimuslimischem Rassismus benennen und deutlich dagegen vorgehen."
In das Lagebild flossen den Angaben zufolge unter anderem Fallzahlen von 26 regionalen Melde- und Beratungsstellen aus 13 Bundesländern, bundesweite Meldungen über ein Meldeportal sowie Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik ein. Hinter Claim stehen demnach über 50 muslimische und nichtmuslimische Akteure der Zivilgesellschaft.
F.Wagner--VB