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Mehr Aufträge für die Industrie im März - Ökonomen sehen jedoch keine Trendwende
Die Auftragslage für die Industrie in Deutschland hat sich im März verbessert. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte, gingen preisbereinigt 3,6 Prozent mehr Aufträge bei den Firmen des Verarbeitenden Gewerbes ein als noch im Februar. Verglichen mit März 2024 lag der Anstieg bei 3,8 Prozent. Ein Grund könnten vorgezogene Bestellungen wegen angekündigter US-Zölle sein. Ökonomen sahen trotz der positiven Zahlen noch keine Trendwende.
Wie die Statistiker weiter mitteilten, kletterte der Auftragseingang im Vergleich zum Vormonat auch ohne Großaufträge um 3,2 Prozent. Zum Anstieg trugen demnach viele Wirtschaftszweige bei. Besonders groß war das Plus mit 14,5 Prozent bei Firmen, die elektrische Ausrüstungen herstellen sowie in der Pharmaindustrie mit 17,3 Prozent. Auch die kriselnde Autoindustrie verzeichnete mehr Aufträge als im Vormonat.
Rückläufig waren die Aufträge indes in der Metallerzeugung und -erzeugnissen, der EDV und Optik, der Textilindustrie und im Bereich Papier und Pappe.
Die Aufträge aus der Eurozone stiegen mit acht Prozent besonders deutlich an, aber auch der Ordereingang aus Ländern außerhalb des Euroraums kletterte um 2,8 Prozent. Die Inlandsnachfrage lag bei plus 2,0 Prozent.
"Das Orderplus im März dürfte zum Teil auf Vorzieheffekte als Reaktion auf die angekündigten US-Zollerhöhungen zurückzuführen sein", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. Die Nachfrage der europäischen Nachbarn deute allerdings auch auf eine "Belebung der Investitionstätigkeit" hin.
Trotz der hohen Unsicherheiten durch US-Zölle und Gegenmaßnahmen und der zuletzt gedämpften Geschäftserwartungen habe sich die Geschäftslage in der Industrie im ersten Quartal als insgesamt recht robust erwiesen, fuhr das Ministerium fort. Eine erneute Abschwächung im Jahresverlauf ist demnach jedoch nicht auszuschließen.
Weniger positiv bewertete der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung die Entwicklung der Aufträge. Diese sei "leider nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht", erklärte Sebastian Dullien. Trotz des kräftigen Anstiegs im März hätten die Bestellungen mit minus 2,3 Prozent immer noch deutlich unter den Auftragseingängen aus dem Vorquartal gelegen.
Zudem sei die Höhe der US-Zölle im März noch nicht bekannt gewesen. "Angesichts der nun geltenden höheren Zölle ist durchaus plausibel, dass ein Teil der Bestellungen aus den Vereinigten Staaten wieder storniert wird", erklärte Dullien. Die zwischenzeitliche Entwicklung dürfte die deutschen Ausfuhren und damit auch die Industrie in den kommenden Monaten belasten.
Auch der Konjunkturexperte der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Jupp Zenzen, sah im Zuwachs der Auftragseingänge "keine Trendwende". Die Lage bleibe angespannt. "Im Inland fahren die Unternehmen auf Sicht, bis wieder mehr Klarheit über den langfristigen wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland besteht", erklärte er.
Die Zahlen für Februar bestätigte das Statistikamt unterdessen. Bereits in den vorläufigen Ergebnissen war es von einem unveränderten Auftragseingang ausgegangen.
H.Gerber--VB