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Wirtschaftsnobelpreis für Forschungen zu nachhaltigem Wachstum
Sie geben Antworten auf die Frage, wie technologischer Fortschritt das Wirtschaftswachstum voranbringt und wie dieses Wachstum nachhaltig bleibt: Dafür bekommen der US-Israeli Joel Mokyr, der Franzose Philippe Aghion und der Kanadier Peter Howitt den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis. Ihre Arbeiten "mahnen uns, dass wir Fortschritt nicht für selbstverständlich halten sollten", erklärte am Montag Kerstin Enflo, Mitglied des Preiskomitees.
Der Preis in Höhe von rund einer Million Euro geht zur Hälfte an Mokyr, die andere Hälfte teilen sich Aghion und Howitt. Der 79-jährige Mokyr habe sich mit seinen Arbeiten zur "Identifizierung der Vorbedingungen für nachhaltiges Wachstum durch technologischen Fortschritt" verdient gemacht, erklärte die Jury in Stockholm. Er habe "historische Quellen als ein Mittel genutzt, um die Ursachen dafür aufzudecken, dass anhaltendes Wachstum zur neuen Normalität wurde". Mokyr lehrt an der Northwestern University in den USA.
Der 69-jährige Aghion und der 79-jährige Howitt beschäftigten sich mit dem Konzept der "schöpferischen Zerstörung", das beschreibt, wie Unternehmen unter Umständen darunter leiden, wenn ein neues und besseres Produkt auf den Markt kommt. Die beiden Ökonomen haben dazu ein mathematisches Modell entwickelt.
Der Vorsitzende des Preiskomitees, John Hassler, sagte zur Vergabe des Preises: "Während fast der gesamten Menschheitsgeschichte hat sich der Lebensstandard von Generation zu Generation nicht merklich verändert." Wirtschaftliches Wachstum habe es kaum gegeben, Stagnation sei die Norm gewesen. Doch in den vergangenen zwei Jahrhunderten "war das ganz anders".
In diesen 200 Jahren habe die Welt mehr Wirtschaftswachstum erlebt als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit, sagte auch Jurymitglied Kerstin Enflo. Im Verhältnis zu der langen Stagnationsphase davor seien 200 Jahre allerdings immer noch eine kurze Zeitspanne. "Die Arbeit der Preisträger erinnert uns daran, dass wir den Fortschritt nicht als selbstverständlich ansehen sollten", mahnte sie.
Der Franzose Aghion wurde bei der Bekanntgabe der Preisverleihung per Telefon zugeschaltet. Gefragt nach aktuellen Risiken für nachhaltiges Wirtschaftswachstum nannte er die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump. "Offenheit ist eine Triebfeder des Wachstums. Alles, was der Offenheit im Wege steht, ist ein Hindernis für das Wachstum", sagte er.
Zudem warnte der 69-Jährige vor einer zu dominanten Stellung der USA und Chinas im Technologiebereich. "Ich denke, die europäischen Länder müssen begreifen, dass wir nicht länger zulassen dürfen, dass die USA und China technologisch führend werden und wir ihnen gegenüber verlieren", betonte er. Europa brauche dafür unter anderem ein "innovationsfreundliches Finanzökosystem".
Der Wirtschaftspreis geht nicht direkt auf das Testament des Preisstifters Alfred Nobel zurück. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank in Gedenken an Alfred Nobel ins Leben gerufen und wird seit 1969 verliehen.
Die Auszeichnung werden den Preisträgern am 10. Dezember bei feierlichen Zeremonien in Stockholm und Oslo überreicht. An diesem Datum jährt sich der Todestag des Wissenschaftlers Nobel im Jahr 1896.
N.Schaad--VB