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USA beschlagnahmen Öltanker: Venezuela spricht von "Diebstahl"
Die Einnahme eines Öltankers durch US-Soldaten vor der Küste Venezuelas hat den Konflikt zwischen beiden Ländern massiv angeheizt. Venezuela warf der US-Regierung am Mittwoch (Ortszeit) "Diebstahl" vor. Nach US-Angaben wurde der beschlagnahmte Tanker illegal zum Transport "sanktionierten Öls aus Venezuela und dem Iran" genutzt. Die "Skipper" hatte nach Angaben des Informationsdienstes Marinetraffic rund 1,1 Millionen Barrel Rohöl an Bord.
Das venezolanische Außenministerium warf den USA einen "Akt internationaler Piraterie" vor. Venezuela ist Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und hat die größten Erdölreserven der Welt. Bereits in Trumps erster Amtszeit (2017 bis 2021) hatten die USA Sanktionen gegen den Ölsektor Venezuelas verhängt. China ist seitdem der größte Ölkunde des südamerikanischen Landes.
Der Tanker ist nach US-Angaben Teil der sogenannten Schattenflotte, die weltweit sanktioniertes Öl schmuggelt. Das Schiff war laut Medienberichten seit 2022 mit US-Sanktionen belegt, das Außenministerium in Washington begründete sie demnach mit Verbindungen zum Iran und zu pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon. Die "Skipper" war Berichten zufolge nach Kuba unterwegs, als die USA den Tanker beschlagnahmten.
Präsident Donald Trump hatte den äußerst ungewöhnlichen Vorgang am Mittwoch im Weißen Haus angekündigt: "Wir haben gerade einen Tanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt", sagte Trump. Die Vereinigten Staaten wollten das Öl behalten, deutete er an.
Ein von US-Justizministerin Pam Bondi im Onlinedienst X veröffentlichtes Video zeigt Soldaten, die sich von zwei Hubschraubern auf das Deck des Tankers abseilen und anschließend mit erhobenen Gewehren die Brücke des Schiffes betreten. US-Medien zufolge waren an der Aktion neben der Küstenwache auch Spezialkräfte sowie Marines beteiligt. Bondi sprach von einem illegalen Netzwerk, "das ausländische Terrororganisationen unterstützt".
Der Tanker hatte seine Positionsdaten offenbar in den vergangenen Wochen verschleiert, wie eine Analyse der Nachrichtenagentur AFP aufgrund von Satellitenbildern und Angaben der Webseite TankerTrackers ergab. Am Donnerstag befand sich das Schiff in der Karibik, rund 60 Kilometer von dem Inselstaat St Vincent und die Grenadinen entfernt. Was die USA mit dem Schiff vorhaben, war vorerst unklar.
Der Vorfall bedeutet eine weitere Eskalation im Konflikt zwischen den USA und Venezuela. Die Trump-Regierung hatte seit September immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler in der Karibik und im Ostpazifik angegriffen. Dabei wurden bislang mindestens 87 Menschen getötet. Beweise für eine Verbindung der versenkten Boote zum Drogenschmuggel legten die USA nicht vor. Völkerrechtler bezeichnen das Vorgehen als illegal.
Zudem brachten die USA Kriegsschiffe vor Venezuela in Stellung, darunter den größten Flugzeugträger der Welt, die "USS Gerald R. Ford". Der Sender CBS News berichtet, der Einsatz auf der "Skipper" sei von dem Flugzeugträger ausgegangen.
Der vom Westen isolierte venezolanische Präsident Nicolás Maduro vermutet hinter dem US-Vorgehen Pläne zu seinem Sturz. Der russische Präsident Wladimir Putin telefonierte am Donnerstag mit Maduro. Putin habe "seine Unterstützung für die Politik der Maduro-Regierung bekräftigt", erklärte der Kreml. Es gelte, die Souveränität Venezuelas gegen "zunehmenden äußeren Druck zu schützen". Zu den Verbündeten Venezuelas zählen neben Russland auch China und der Iran.
Trump hatte die Einnahme des Schiffe kurz nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado verkündet. Bei ihrer verspäteten Ankunft in Oslo warf sie Maduro "Tyrannei" vor.
Trump hatte in den vergangenen Wochen gesagt, Maduros Tage seien "gezählt". Er verkündete zudem, er habe Einsätze des Auslandsgeheimdienstes CIA in Venezuela "autorisiert", auch Angriffe an Land schloss er nicht aus.
Trump beschuldigt Maduro, seine Wiederwahl im Juli 2024 gefälscht zu haben sowie Drogenbanden zu kontrollieren und gezielt gegen die USA einzusetzen. Anders als das Nachbarland Kolumbien produziert Venezuela keine Drogen im großen Stil, gilt aber als Transitland.
Uruguay äußerte sich "sehr besorgt" über die Spannungen in der Region. Außenminister Mario Lubetkin sagte der Nachrichtenagentur AFP, weder die USA noch Venezuela könnten ein Interesse an einer Eskalation haben.
D.Bachmann--VB