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Regeln für Finanzberater: EU-Einigung soll Kleinanleger schützen
Finanzberater in der EU unterliegen künftig strengeren Regeln. Die Unterhändler des EU-Parlaments und der Mitgliedstaaten einigten sich in der Nacht zum Donnerstag auf die Umsetzung der sogenannten Kleinanlegerstrategie. Finanz- und Versicherungsberater müssen demnach sicherstellen, dass die von ihnen angebotenen Produkte den Bedürfnissen ihrer Kunden entsprechen.
Ob ein Aktiensparplan oder eine Versicherung sinnvoll ist, muss "anhand angemessener und notwendiger Informationen über den Kunden beurteilt werden", erklärte das Parlament. Die Berater müssen demnach unter anderem Kenntnisse und Erfahrungen und die finanzielle Situation ihrer Kunden beachten. Strengere Regeln sollen auch für "Finfluencers" gelten, die im Auftrag von Banken oder Fondsgesellschaften gezielt junge Leute über Online-Netzwerke ansprechen.
Die Kleinanlegerstrategie sieht zudem vor, dass Finanzprodukte, die keinen Mehrwert bieten, gar nicht erst angeboten werden. Zuständige EU-Aufsichtsbehörden sollen geeignete Kriterien entwickeln, um den Mehrwert von Produkten objektiv zu bewerten. Darüber hinaus wird Finanzunternehmen vorgeschrieben, das Preis-Leistungs-Verhältnis ihrer Produkte anhand von Vergleichsgruppen auszuweisen.
"Da Europäer hauptsächlich auf der Grundlage von Beratung investieren, haben wir uns darauf konzentriert, Missbrauch zu verhindern und gleichzeitig die Beratung sowohl finanziell als auch geografisch zugänglich zu halten", erklärte die französische EU-Abgeordnete Stéphanie Yon-Courtin. "Die Aufsichtsbehörden werden künftig über wirksamere Instrumente verfügen, um zu überprüfen, wie Produkte bepreist werden, wie Beratung erfolgt und ob die Verbraucher wirklich ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhalten."
Ursprüngliche Pläne der EU-Kommission gingen mit umfassenden Transparenzpflichten und vorgeschriebenen Risikowarnungen noch deutlich weiter. "Der ursprüngliche Ansatz war getragen von einer fehlgeleiteten, übermäßig bevormundenden Vorstellung von Anlegerschutz, mit zu wenig Vertrauen in informierte Anleger", kritisierte der CDU-Europaabgeordnete Markus Ferber. Im Gesetzgebungsprozess sei noch mehr Bürokratie verhindert worden.
Ferber bezweifelt, dass die Strategie das ausgewiesene Ziel erreicht, dass mehr Bürgerinnen und Bürger ihr Geld in Aktien oder Fonds anlegen, anstatt es auf Sparkonten mit niedrigem Ertrag zu parken. Der SPD-Europaabgeordnete René Repasi sprach hingegen von einem "wichtigen Schritt für mehr Gerechtigkeit, Transparenz und Vertrauen im europäischen Finanzsystem". Verbraucherschutz sei hier entscheidend.
In Deutschland, wo im internationalen Vergleich besonders wenig Leute in Aktien investieren, hatten vor allem ursprüngliche Pläne für ein allgemeines Provisionsverbot für Widerstand in der Finanzbranche gesorgt. Das Verbot, das vor allem Verbraucherschützer gefordert hatten, ist nun vom Tisch. Es soll lediglich besser über Provisionen und andere Gebühren aufgeklärt werden, um Interessenskonflikte zu vermeiden.
H.Gerber--VB