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Paraden-Show mit Boxer-Auge: Wolffs Worten folgen Taten
Mit seinem geröteten linken Auge erinnerte Andreas Wolff mehr an einen Boxer als an einen Handball-Torhüter. "Der Ball ist ins offene Auge gegangen, aber das passiert nun mal. Wichtig ist, dass da nichts kaputtgegangen ist. Ich gehe jetzt in die Kabine und lasse es noch ein bisschen kühlen", sagte Wolff nach dem erfolgreichen EM-Start gegen Österreich. Er grinste.
Der Schlussmann hatte nach seiner Paraden-Show im emotionsgeladenen Bruderduell sichtlich Spaß am Interview-Marathon in den Katakomben der Jyske Bank Boxen in Herning - daran konnte auch der Volltreffer von Sebastian Frimmel nichts ändern, der Wolff im zweiten Abschnitt mit voller Wucht im Gesicht getroffen hatte. Mit am Ende 36 Prozent gehaltener Bälle hatte der Keeper des THW Kiel beim 30:27 (12:8) seinen markigen "Anti-Handball-Aussagen" über die Österreicher Taten folgen lassen.
"Wer feiern kann, muss auch am nächsten Tag arbeiten können. Und wer mal einen Spruch riskiert, muss am nächsten Tag Paraden abliefern - und ich glaube, das hat Andi heute getan", sagte Teammanager Benjamin Chatton über den 2016er-Europameister.
Tatsächlich hatten die Österreicher im umkämpften ersten Turnierspiel vergleichsweise selten ihr Sieben-gegen-Sechs ausgepackt, das Wolff im Vorfeld mit klaren Worten kritisiert hatte. Nichtsdestotrotz entwickelte sich für Deutschland eine zähe Partie, in der sich die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason durch eine einmal mehr starke Defensiv-Leistung die ersten Punkte auf ihrer Medaillenmission in Dänemark verdiente.
"Es ist schön, wenn man sieht, was es für einen Wirbel gibt - und wenn man dann auch seinen Teil dazu beitragen kann", sagte Wolff, der von den wenigen österreichischen Fans zu Beginn ausgepfiffen wurde: "Es gab natürlich die ein oder andere Instagram-Nachricht, die mich sehr erheitert hat und in denen genau das, was heute passiert ist, mir nicht gewünscht wurde. Aber wenn man solche Worte wählt, muss man dazu auch stehen."
Im zweiten Vorrundenspiel gegen Serbien am Samstag (20.30 Uhr/ARD) wird es erneut auf die viel gelobte Kaderbreite ankommen, die schon vor dem Turnier oft Thema - und nun auch gegen die Österreicher Trumpf war. "Wir haben nicht nur ein, zwei Spieler, die gut im Innenblock sind, sondern wir haben vier, fünf und haben mindestens genauso viele Spieler auf der Halbposition. Ich denke, dass diese Breite uns sehr stark macht", sagte Wolff.
Gislason erwartet bei der nächsten EM-Prüfung "sehr heißblütige" Serben und hofft auf ein besseres Angriffsspiel seines Teams. "Wir müssen sehr wach sein. Diese Abwehr macht mir sehr viel Spaß, aber im Angriff müssen wir uns steigern", sagte der 66-Jährige. Das Team um Torwart Dejan Milosavljev von den Füchsen Berlin steht nach dem 27:29 gegen Spanien bei seinem Auftakt in die Vorrundengruppe A unter Druck. Nur zwei Teams erreichen die Hauptrunde.
G.Haefliger--VB