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Falschbotschaft von Trumps Energieminister schickt Ölpreise auf Talfahrt
Folgenreicher Fehler von US-Energieminister Chris Wright: Mit einem unzutreffenden Tweet über angeblich erfolgreichen Geleitschutz der US-Marine für einen Öltanker durch die Straße von Hormus hat der 61-Jährige die weltweiten Ölpreise am Dienstag vorübergehend auf Talfahrt geschickt. Das Dementi folgte auf dem Fuß: Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, musste klarstellen, die US-Marine habe "bislang keinen Tanker oder ein anderes Schiff eskortiert".
In seiner Online-Botschaft hatte Wright noch gejubelt: "Die US-Marine hat erfolgreich einen Öltanker durch die Straße von Hormus eskortiert, um sicherzustellen, dass Öl auf die Weltmärkte fließt." In einem angehängten Video sagte er, dies sei bereits vor 36 Stunden passiert. Zudem kündigte Wright an, weitere Schiffe würden folgen. Kurze Zeit später verschwand die Botschaft jedoch ohne weitere Erklärung aus seinem Online-Profil.
Der Tweet rief die iranischen Revolutionsgarden auf den Plan. Sie bezeichneten die Angaben des US-Ministers als "reine Unwahrheit". Ein Sprecher erklärte, kein US-Kriegsschiff habe es "während des Krieges gewagt, sich dem Golf von Oman, dem Persischen Golf oder der Straße von Hormus zu nähern".
Kurz darauf trat Leavitt vor die Presse und musste den Fehler einräumen. Geleitschutz für Tanker bleibe aber grundsätzlich eine Option, betonte sie. Präsident Donald Trump habe angekündigt, dass er diese "bei Bedarf zum geeigneten Zeitpunkt auf jeden Fall nutzen" werde.
Trump hatte festsitzenden Öltankern bereits vor einer Woche eine Eskortierung durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman in Aussicht gestellt. Seither passierte allerdings nichts. Stattdessen drohten die iranischen Revolutionsgarden US-Schiffen mit Angriffen.
"Wir empfehlen den Amerikanern, sich vor jeder Entscheidung an das Feuer auf dem US-Supertanker 'Bridgeton' im Jahr 1987 und an die unlängst angegriffenen Öltanker zu erinnern", sagte ein Sprecher der Revolutionsgarden. Die 'Bridgeton' war im Iran-Irak-Krieg auf eine Mine aufgelaufen. Obwohl der Supertanker seine Fahrt fortsetzte und kein Besatzungsmitglied verletzt wurde, galt der Vorfall als Propaganda-Erfolg für den Iran.
Leavitt ließ die Frage unbeantwortet, ob der Fehler dem Energieminister selbst oder einem Mitarbeiter unterlaufen sei. Sie habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit Wright zu sprechen, sagte sie. Der 61-jährige Geschäftsmann verdankt seinen Posten laut US-Medienberichten vor allem seinen hohen Spenden an Trump im Präsidentschaftswahlkampf 2024.
Leavitt wird bei ihren Briefings im Weißen Haus nicht müde, bekannten Medien wie CNN oder der "New York Times" die Verbreitung angeblicher "Fake News" zu unterstellen. Oft greift die 28-Jährige erfahrene Journalistinnen und Journalisten persönlich an - besonders wenn sie aus ihrer Sicht unzutreffend über Trump berichten.
Die Ölpreise waren nach der Online-Botschaft des US-Ministers eingebrochen. Die Nordseemarke Brent und die US-Sorte WTI verloren zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent an Wert. Nach der Richtigstellung zogen die Ölpreise wieder an.
Die iranischen Revolutionsgarden hatten die Straße von Hormus nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran vor elf Tagen für geschlossen erklärt. Die Meerenge ist ein Nadelöhr für den globalen Container- und Tankerverkehr. Rund 20 Prozent der weltweiten Öl- und Flüssiggas-Produktion werden hierdurch transportiert.
Trump hatte am Montag erstmals ein rasches Ende des Iran-Kriegs in Aussicht gestellt. Daraufhin gaben die zuvor massiv gestiegenen Ölpreise an den Weltmärkten deutlich nach. Später kündigten die USA jedoch weitere Angriffe an. Auch Israel und der Iran widersprachen Trumps Angaben zu einem baldigen Kriegsende.
Der US-Präsident steht wegen der gestiegenen Spritpreise innenpolitisch unter Druck. Er hatte den Wählerinnen und Wählern immer wieder stark sinkende Verbraucherpreise versprochen. Seine Republikanische Partei ist wegen der wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress im November nervös. In einigen Bundesstaaten finden bereits Vorwahlen statt.
D.Schaer--VB