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Iran will Chamenei-Nachfolge rasch klären - Israel droht möglichem Nachfolger
Der Iran will nach offiziellen Angaben möglichst schnell einen Nachfolger für den getöteten obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei benennen. Die Islamische Republik werde "ihr Bestes tun", die Personalie rasch zu klären, sagte ein Mitglied des für die Auswahl des geistlichen Oberhaupts zuständigen Expertenrates, Ahmed Chatami, am Mittwoch. Israel kündigte an, jeden möglichen Nachfolger Chameneis ebenfalls zu töten.
"So Gott will, wird der Führer so bald wie möglich ernannt", sagte Chatami im iranischen Staatsfernsehen. "Wir stehen kurz vor einer Entscheidung, aber es herrschen Kriegsbedingungen", fügte das Expertenrats-Mitglied hinzu - und deutete damit an, dass der Auswahlprozess länger dauern könnte als erhofft.
Die USA und Israel hatten am Samstag massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurden Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Als Reaktion greift der Iran seit Samstag Israel, mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an.
Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte am Mittwoch, jeder mögliche Nachfolger Chameneis werde ebenfalls getötet. "Jeder Anführer, der vom iranischen Terrorregime ausgewählt wurde, um den Plan zur Zerstörung Israels weiter anzuführen, die USA, die freie Welt und die Länder in der Region zu bedrohen sowie das iranische Volk zu unterdrücken, wird mit Sicherheit zu einem zur Tötung freigegebenen Ziel, egal wie er heißt oder wo er sich versteckt", schrieb Katz im Onlinedienst X.
Chatami sagte, angesichts der Drohungen Israels sei bei der Wahl des neuen obersten Führers "Diskretion" geboten. Nach Berichten iranischer Medien hatten die USA und Israel am Dienstag ein Gebäude des Expertenrats in der südlich von Teheran gelegenen Stadt Ghom angegriffen. Bereits am Montag war laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim der Hauptsitz des Expertenrats in der Hauptstadt Teheran angegriffen worden.
Der Expertenrat hatte die Beratungen über den Nachfolger Chameneis nach offiziellen Angaben am Sonntag aufgenommen. Das Gremium besteht aus 88 Juristen, die alle acht Jahre gewählt werden. Bis zu Wahl eines neuen obersten Führers amtiert ein Übergangs-Führungsgremium, dem Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei und Ayatollah Aliresa Arafi, ein Mitglied des Expertenrats, angehören.
Am Mittwoch wurde das Staatsbegräbnis für Chamenei kurzfristig verschoben. Zur Begründung wurde im iranischen Staatsfernsehen nicht auf die Sicherheitslage, sondern auf den erwarteten großen Andrang bei der ursprünglich für Mittwochabend geplanten Trauerfeier in Teheran verwiesen. Die Behörden rechneten mit "der Teilnahme von Millionen von Menschen", sagte der Leiter des Islamischen Koordinierungsrates für Entwicklung, Mohsen Mahmoudi, der das Staatsbegräbnis organisiert. Für eine solche Menschenmenge müsse "die entsprechende Infrastruktur" bereitgestellt werden.
Ein neuer Termin für die Trauerfeier wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Beigesetzt werden soll Chamenei in seiner Heimatstadt Maschhad, der zweitgrößten Stadt des Iran.
Unterdessen verurteilte das Oberhaupt der Schiiten im Irak, Ayatollah Ali Sistani, den "ungerechten" Krieg im Iran. Sistani, der selbst im Iran geboren wurde, rief "alle Muslime und freien Menschen weltweit" dazu auf, den Krieg zu "verurteilen" und "sich mit dem iranischen Volk zu solidarisieren".
E.Gasser--VB