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Bildungsbericht: Frühkindliche Bildung und Fachkräftesicherung stärker angehen
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hat die Relevanz der frühkindlichen Bildung betont und will dazu neben der Kita verstärkt die Familien in die Pflicht nehmen. "Die Bildungsschere tut sich ab der Geburt auf", sagte Prien am Montag bei der Vorstellung des diesjährigen Bildungsberichts. Mehr denn je müsse es daher darum gehen, Kinder im Vorschulalter zu erreichen. Der Bildungsbericht stellte die Themen Chancengerechtigkeit und Fachkräftesicherung in den Mittelpunkt.
Zwar gebe es mit dem im Sommer startenden Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in Grundschulen und dem Startchancen-Programm zur Förderung sogenannter Brennpunktschulen mittlerweile gute Förderinstrumente, sagte Prien. Jedoch kämen nach wie vor Kinder mit "dramatisch unterschiedlichen Lernausgangslagen" in den Schulen an, sei es mit Blick auf den Wortschatz und die sprachliche Entwicklung oder die sozial-emotionale und die motorische Entwicklung.
Daher gehe es auch um die Frage: "Was passiert eigentlich in den Familien in den ersten Jahren und was passiert in der Kita oder in der Kindertagespflege?" Dem könne nur "in einem sehr engen Schulterschluss zwischen Bund, Ländern und Kommunen" begegnet werden sowie in einer horizontalen Zusammenarbeit von Familien, der Kinder- und Jugendhilfe und Institutionen, die sich mit Integration vor Ort beschäftigen, sagte die Bildungsministerin.
Prien will dazu noch vor der Sommerpause das im Koalitionsvertrag angekündigte Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz ins Kabinett bringen. Ein besonderer Schwerpunkt müsse dabei auf dem letzten Kita-Jahr und insbesondere der Sprachförderung in dieser Zeit liegen. "Wir brauchen verpflichtende Sprachstandsebenen und verpflichtende Sprachförderung für die Kinder, die Sprachförderbedarf haben."
Zuhause liege es an den Familien, etwa wieder mehr vorzulesen und die Bildschirmzeit zu reduzieren, die bereits sehr kleine Kinder bekämen. Hier sei mehr Beratungsarbeit nötig. Auch das Schulsystem selbst sei stärker als früher unter Druck, unter anderem durch den Einfluss Sozialer Medien und die zu leistende Integration zugewanderter Kinder, betonte die Ministerin.
Der Bildungsbericht dokumentierte unter anderem rückläufige Kompetenzen im Fach Mathematik: Im Jahr 2024 verfehlte knapp ein Viertel der Schülerinnen und Schüler, die mindestens den Mittleren Schulabschluss anstrebten, den Mindeststandard für diesen Abschluss, neun Punkte mehr als 2018. Die Zahl derer, die ohne einen Abschluss die Schule verließen, stieg auf acht Prozent. Bildungsungleichheit sei dabei nicht nur eine Frage einzelner Schulen oder Bildungsphasen, sondern eine "durchgehende Strukturfrage des Systems".
"Wir reden hier über eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", sagte auch Prien. In den Bildungseinrichtungen müsse es dabei auch um mehr Flexibilität beim Einsatz und der Qualifizierung von Personal gehen, forderte sie. Das schließe auch umfangreiche Fort- und Weiterbildungen von Lehrkräften und den Weg hin zur "Multiprofessionalität an Schulen" mit ein - Erzieher, Sozialpädagogen und Schulpsychologen seien kein "nice to have", sondern müssten aktiv in die Bildung und Erziehung der Kinder eingebunden werden, um Chancengerechtigkeit herzustellen.
P.Vogel--VB