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18 Tote bei massiven russischen Angriffen in Ukraine - Russland verliert erneut Gebiet
Bei massiven russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Ukraine sind in der Nacht zum Dienstag mindestens 18 Menschen getötet worden. Die tödlichen Angriffe richteten sich nach Behördenangaben vor allem gegen die Hauptstadt Kiew und die Großstadt Dnipro. Wie die jüngste AFP-Analyse zum Frontverlauf ergab, erlitt Russland im Mai den zweiten Monat in Folge Netto-Gebietsverluste.
Bei den nächtlichen russischen Attacken kamen alleine in Kiew nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko sechs Menschen ums Leben, 66 weitere wurden dort verletzt. In Dnipro im Osten des Landes starben Behörden zufolge mindestens zwölf Menschen, darunter zwei Kinder. Helfer suchten dort in den Trümmern eines eingestürzten vierstöckigen Wohngebäudes nach weiteren Opfern.
Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe mit 656 Drohnen und 73 Raketen angegriffen. 602 Drohnen und 40 Raketen seien abgefangen worden. Bei den nächtlichen Angriffen habe die russische Armee auch ballistische Raketen eingesetzt, erklärte die Militärverwaltung von Kiew.
AFP-Journalisten hörten in Kiew die ganze Nacht über Luftschutzsirenen und Explosionen. Bewohner eilten mit Taschen und Decken in überfüllte U-Bahn-Stationen. Aus der Stadt stiegen am Morgen große Rauchwolken auf, Helfer räumten Trümmer vor beschädigten Wohnhäusern weg.
Nach Angaben des privaten Stromversorgers DTEK waren zeitweise mehr als 100.000 Menschen in Kiew ohne Strom, auch in anderen Regionen gab es Stromausfälle. Eine Bewohnerin namens Anastassia berichtete AFP, sie habe die "laute" und "furchterregende" Nacht in ihrem Badezimmer verbracht. "Alle Fenster wurden komplett herausgesprengt, es gibt überhaupt keine Fenster mehr", sagte sie. "Es war nicht nur eine Explosion hier in der Nacht. Die Nacht hier war einfach ein Albtraum."
Im nordöstlichen Charkiw nahe der russischen Grenze wurden Bürgermeister Ihor Terechow zufolge 15 Menschen verletzt, darunter ein Kind. Wegen der fortgesetzten russischen Angriffe ordneten die Behörden in der Region Charkiw die Evakuierung von mehr als 7000 Menschen aus mehreren Ortschaften an. Die "Zone der verpflichtenden Evakuierung" werde ausgeweitet, erklärte Regionalgouverneur Oleg Synegubow im Onlinedienst Telegram.
Moskau bezeichnete die nächtlichen Attacken als einen "massiven Angriff" auf Einrichtungen des militärisch-industriellen Komplexes in der Ukraine. Dabei seien auch Hyperschallraketen eingesetzt worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Russland bestreitet grundsätzlich, Zivilisten anzugreifen.
Frankreich verurteilte die Angriffe scharf. Die massiven russischen Bombardements auf die Zivilbevölkerung und Infrastruktur zeigten "einmal mehr Moskaus völlige Missachtung der Bemühungen um Frieden", erklärte das französische Außenministerium.
Russland griff die Ukraine im Mai nach einer AFP-Auswertung ukrainischer Luftwaffendaten mit einer Rekordzahl von 8150 Langstreckendrohnen an, 24 Prozent mehr als im April. Die ukrainische Luftwaffe fing demnach im Mai rund 90 Prozent der anfliegenden Drohnen und Raketen ab, hat aber weiterhin Schwierigkeiten beim Abschuss ballistischer Raketen.
Auch die Ukraine griff Ziele in Russland an. In der russischen Grenzregion Kursk wurde Behördenangaben zufolge ein Mensch bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Die ukrainischen Streitkräfte beanspruchten zudem einen Angriff auf die Raffinerie Ilskij in der Region Krasnodar für sich, wo Behörden einen Brand nach einem Drohnenangriff gemeldet hatten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj drängte erneut auf US-Unterstützung bei der Luftverteidigung. Die Unterstützung aus den USA bei der Lieferung von Raketen für Patriot-Systeme sei "absolut notwendig", erklärte Selenskyj in Onlinediensten. Europa brauche zudem "eine eigene Raketenabwehr, damit dieser Krieg endlich beendet werden kann".
Die ukrainische Regierungschefin Julia Swyrydenko erklärte nach den jüngsten Angriffen, jede Verzögerung bei der Unterstützung der ukrainischen Luftverteidigung koste Menschenleben. Der ukrainische Außenminister Andrij Sibyha warf dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, "Terror" zu verbreiten. Putin sei "ein Kriegsverbrecher und Verlierer, der außer Terror keine Karten mehr in der Hand hat".
Einer AFP-Analyse auf Grundlage von Daten des in den USA ansässigen Institute for the Study of War zufolge verlor die russische Armee im Mai unter dem Strich im zweiten Monat in Folge Gebiete. Demnach büßte Moskau die Kontrolle über rund 282 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums ein. Insgesamt hält Moskau den ISW-Daten zufolge aber weiterhin etwas mehr als 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt.
I.Stoeckli--VB