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Entwicklungshilfe weltweit geschrumpft wie nie - Deutschland verfehlt UN-Ziel
Wegen des Rückzugs der USA und zunehmender geopolitischer Krisen sind die Zahlungen für die Entwicklungszusammenarbeit im vergangenen Jahr weltweit so stark geschrumpft wie nie zuvor. Die dafür bereitgestellten Mittel gingen um 23 Prozent zurück, wie die OECD am Donnerstag in Paris mitteilte. Die sei ein Rückgang von "historischem" Ausmaß. Weltweit standen demnach etwa 174 Milliarden Dollar für die Unterstützung benachteiligter Länder zur Verfügung. Deutschland verfehlte 2025 erneut das UN-Finanzierungsziel für die Entwicklungszusammenarbeit.
Der anhaltende Rückgang sei ein "enormer Schock für das System", heißt es in dem OECD-Bericht. Dies werfe Fragen nach der Fähigkeit der Entwicklungsländer auf, Ressourcen zu mobilisieren, um ihre langfristige Entwicklung zu sichern. Für 2026 rechnet die OECD mit einem weiteren Rückgang um 5,8 Prozent.
Vor dem Hintergrund der zunehmenden internationalen Krisen und ausgeschöpfter öffentlicher Finanzen kürzten zahlreiche Industrieländer ihren Haushalt für Entwicklungszusammenarbeit. Allerdings gingen knapp 96 Prozent der Kürzungen auf das Konto von fünf Ländern: die USA, Deutschland, Frankreich, Japan und Großbritannien.
Die USA allein sind nach OECD-Angaben für Dreiviertel des Einbruchs verantwortlich. Die Wiederwahl von US-Präsident Donald Trump hatte einen massiven Abbau humanitärer Hilfe und die Auflösung der Entwicklungshilfebehörde USAID zur Folge.
In Deutschland beliefen sich die Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit 2025 auf 0,56 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung mitteilte. Damit blieb Deutschland zum zweiten Mal in Folge unter dem UN-Ziel von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens.
Insgesamt beliefen sich die deutschen Ausgaben auf etwa 26 Milliarden Euro, etwa fünf Milliarden Euro weniger als im Vorjahr.
Ohne Berücksichtigung der Flüchtlingskosten im Inland würde die sogenannte ODA-Quote Deutschlands nur bei 0,46 Prozent liegen, erklärte das Ministerium weiter. Rund 17 Prozent der deutschen Entwicklungsleistungen entfielen 2025 demnach auf die Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten in Deutschland. Diese zählen gemäß der international vereinbarten Berechnungsmethoden im ersten Jahr nach Ankunft zu den Entwicklungsleistungen.
Deutschland hatte 2024 mit 0,67 Prozent der Wirtschaftsleistung erstmals seit dem Jahr 2020 das UN-Ziel bei den Entwicklungsausgaben verfehlt. Das Ministerium stützte sich bei den nun veröffentlichten Angaben für 2025 auf vorläufige Berechnungen der OECD.
Im internationalen Vergleich lag Deutschland gemessen an seiner Wirtschaftskraft auf Platz sechs hinter Norwegen (1,03 Prozent), Luxemburg (0,99 Prozent), Schweden (0,85 Prozent), Dänemark (0,72 Prozent) und Niederlande (0,58 Prozent). In absoluten Zahlen sei Deutschland 2025 jedoch der größte Geber gewesen, erklärte das Ministerium. Dies sei "eine direkte Folge der massiven Kürzungen der USA, die in den vergangenen Jahrzehnten durchgehend am stärksten in weltweite Partnerschaften und Entwicklungsziele investierten".
"Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner in der Welt", erklärte Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) trotz des Rückgangs. "Trotz schmerzhafter Einsparungen stehen wir zu unserer internationalen Verantwortung. Das ist angesichts der extremen globalen Herausforderungen, Krisen und Kriege für Millionen von Menschen existenziell." Gerade der Iran-Krieg und seine Folgen weltweit zeigten, "wie wichtig stabile Regionen sind".
H.Kuenzler--VB