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Filmfestival in Venedig beginnt mit Ehrenpreis für Werner Herzog
Schon Stunden vor Beginn des Filmfestivals von Venedig haben sich am Mittwoch in der italienischen Lagunenstadt Fans am Lido versammelt, wo am Abend die ersten Stars auflaufen sollten. Höhepunkt aus deutscher Sicht soll bei der feierlichen Eröffnungszeremonie der Goldene Löwe für Werner Herzog sein. Der 82-jährige Filmemacher soll für sein Lebenswerk geehrt werden.
Als erster Film wird "La Grazia" von Paolo Sorrentino gezeigt, der italienische Regisseur kam am Dienstagabend in Venedig an und fuhr stilvoll mit dem Boot in die Lagunenstadt ein. Der Goldene Löwe für Herzog wird überreicht von Francis Ford Coppola. Die Regie-Legenden gehören zu den vielen Stars, die zu dem Festival erwartet werden.
Ersten großen Tumult dürfte es bereits am Donnerstag geben, wenn George Clooney am Roten Teppich erwartet wird. Er spielt in "Jay Kelly" einen berühmten Schauspieler in einer Identitätskrise - unter der Regie von Noah Baumbach, der zusammen mit seiner Ehefrau und Kollegin Greta Gerwig ("Barbie") das Drehbuch verfasste.
Erstmals zu Gast in Venedig wird Julia Roberts sein, sie kommt anlässlich der Premiere ihres neuesten Films "After the Hunt" von Regisseur Luca Guadagnino nach Italien. Der Film mit Roberts in der Hauptrolle erzählt die Geschichte eines sexuellen Übergriffs an einer renommierten US-Universität und läuft außerhalb des Hauptwettbewerbs.
Einer der politischsten Filme des Festivals dürfte "The Voice of Hind Rajab" von der Regisseurin Kaouther Ben Hania sein. Er rekonstruiert die Geschichte eines sechsjährigen palästinensischen Mädchens, das im Januar 2024 zusammen mit sechs Angehörigen von israelischen Soldaten getötet wurde, als die Familie aus der Stadt Gaza floh. Aus Protest gegen das israelische Vorgehen im Gazastreifen versammelten sich am Mittwoch vor dem Festivalpalast einige Menschen zu einer pro-palästinensischen Demonstration.
In der Hauptkategorie der Festspiele, in der 21 Spielfilme um den begehrten Goldenen Löwen konkurrieren, ist der britische Schauspieler Jude Law als Russlands Präsident Wladimir Putin in "The Wizard of the Kremlin" von Regisseur Olivier Assayas zu sehen. Als weiterer hochkarätiger Preisanwärter gilt das neue Werk der Oscar-prämierten US-Regisseurin Kathryn Bigelow - in dem Thriller "A House of Dynamite" sieht sich das Weiße Haus mit einer unmittelbaren atomaren Bedrohung konfrontiert.
Auch ein Film von US-Regisseur Jim Jarmusch mit Adam Driver und Cate Blanchett in den Hauptrollen wird bei der Spekulation über den Sieger des Festivals hochgehandelt, ebenso wie eine viel diskutierte Neuinterpretation von "Frankenstein" des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro. Am 6. September wird der beste Film mit dem Goldenen Löwen geehrt.
Der Eröffnungsabend aber soll vor allem im Zeichen von Herzog stehen, dessen jüngste Dokumentation "Ghost Elephants" über eine Herde mystischer Elefanten im Dschungel von Angola während des Festivals außerhalb des offiziellen Wettbewerbs gezeigt wird. Herzog gehört seit Jahrzehnten zu den international bekanntesten deutschen Regisseuren. Zu seinen stilprägenden Filmen gehören unter anderem "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1979) oder "Fitzcarraldo" (1982).
Als ledendär gilt Herzogs Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Klaus Kinski, der in fünf seiner Filme auftrat. Der produktiven wie konfliktgeladenen Partnerschaft widmete Herzog 1999 das Filmporträt "Mein liebster Feind". Daneben drehte der in München geborene Filmemacher international vielbeachtete Dokumentarfilme wie "Grizzly Man" (2005) oder "Encounters at the End of the World"(2007), der für einen Oscar nominiert wurde.
G.Haefliger--VB