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Drama um Buckelwal vor Poel: Rettungskonzept muss womöglich verändert werden
Im Drama um den Buckelwal vor der Ostseeinsel Poel hält die private Hilfsinitiative trotz Kritik und Rückschlägen an der geplanten Rettung des Tiers fest. Es gebe die "reale Chance", es zu befreien, sagte der federführend an der Rettung beteiligte Walschutzaktivist Sergio Bambaren am Mittwoch auf Poel. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zufolge wird das Rettungskonzept derzeit überarbeitet.
"Diese Rettung ist so schwierig, dass wir jeden Tag so nehmen müssen, wie er kommt", sagte Bambaren. Seiner Auffassung nach habe der Wal eine Überlebenschance von "50 zu 50". Zur Rettung benötigte Pontons stünden weiterhin ebenso bereit wie Schiffe für den Schleppverband. Experten, Tierärzte und Ingenieure würden immer wieder alles beraten.
Nach der neuen Strandung des zwischenzeitlich frei schwimmenden Tiers am Montag sei dieses inzwischen wieder stabilisiert worden, sagte der Vertreter der von den Behörden geduldeten Rettungsinitiative. Laut deren ursprünglichem Konzept sollte der seit etwa drei Wochen in einer flachen Bucht bei Poel festliegende Wal mit einem System aus Luftkissen und Pontons angehoben und in die Nordsee geschleppt werden.
Backhaus zufolge ist dieses Konzept nach der erneuten Freischwimmen und Stranden des Meeressäugers jedoch "nicht mehr aktuell". Das Tier habe gezeigt, dass er schwimmen wolle und könne. "Wir brauchen jetzt einen neuen Plan. Daran wird gearbeitet", betonte der Minister am Mittwoch auf Poel. Die Zusammenarbeit mit der Initiative laufe gut, diese habe weiterhin Rückendeckung. "Wir dulden alles, was möglich ist." Tierschutz und Sicherheit der Helfer müssten beachtet werden.
Die Kritik an der Aktion reißt unterdessen nicht ab. Der Wal scheine "zu geschwächt und krank", erklärte die Umweltschutzorganisation Nabu am Mittwoch in Berlin. Der "Drang des Menschen", ihm zu helfen, sei nachvollziehbar. Dabei drohe "das Wohl des Tieres" aber aus dem Blick zu geraten. Auch andere Experten lehnen die geplante Befreiung ab, da er ihrer Meinung nur stresst, ohne dessen Tod verhindern zu können.
Der laut Fachleuten in besorgniserregendem Zustand schwebende Wal war wochenlang vor der Ostseeküste umher geirrt und hatte sich mehrfach in Fischernetzen verfangen. Er strandete wiederholt, kam aber selbst frei oder wurde befreit. Seit Ende März liegt er in einer seichten Nebenbucht bei Poel vor Wismar in Mecklenburg-Vorpommern auf Grund.
Behörden und unterschiedliche von diesen hinzugezogene Experten gaben die Hoffnungen für das Tier bereits auf. Mehrfachstrandungen gelten demnach als sicheres Anzeichen für gravierende Gesundheitsprobleme. Hinzu kommen potenzielle Folgeschäden an Organen durch das Liegen im Flachwasser und Hautprobleme durch den geringen Salzgehalt der Ostsee.
Trotzdem dulden die Behörden einen von einer privaten Initiative vor einer Woche gestarteten weiteren Rettungsversuch. Der Ursprungsplan eines Transports mit Luftkissen und Pontons wurde bisher aber nicht umgesetzt, es blieb bei vorbereitenden Arbeiten. Am Montag schwamm sich das Tier dann überraschend nochmals frei, kam jedoch am Ausgang der Bucht wieder an einer flachen Stelle fest. Seither wird es dort betreut. Die Rettungsinitiative wird von zwei Unternehmern finanziert.
Bambaren bezeichnete die Strandung vom Montag als eine Panikreaktion des rund 15 Tonnen schweren Tiers nach einer fahrlässigen Annäherung durch ein Begleitboot. Die Situation sei zunächst "sehr gefährlich" gewesen, weil das Tier schräg auf der Sandbank gelegen und sich bei sinkenden Pegelstand größtenteils über dem Wasser befand, was unter anderem zu Atemproblemem geführt habe. Als Notfallreaktion sei eine Kuhle freigespült worden. Mittlerweile liege das Tier darin sicher.
Die Behörden begleiten und überwachen die private Rettungsaktion mit eigenen Fachleuten, unterstützt werden die Arbeiten unter anderem von Einheiten der Rettungsorganisation DLRG. Die Privatinitiative machte derweil auch durch mutmaßliche internen Streit von sich reden, einige Beteiligte warfen sich gegenseitig Fehler und Unprofessionalität vor.
Große Wale sind in der flachen Ostsee nicht heimisch und können dort nicht dauerhaft leben. Warum der Buckelwal in das Binnenmeer schwamm und im buchtenreichen Küstenbereich immer wieder festkam, ist unklar.
"Die Situation ändert sich ja fast täglich", sagte Backhaus mit Blick auf den Stand der Rettungsbemühungen. Er sei der Initiative und den übrigen Helfern "sehr dankbar für alles, was versucht wird". Zugleich befinde sich der Wal aus Sicht der Wissenschaft weiter in einem sehr kritischen Zustand. "Er zeigt Aktivität, trotzdem ist es ein kranker Patient." Es gehe darum, für das Tier "gemeinsam" alles zu versuchen.
D.Schaer--VB