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Betriebsrat und IG Metall machen mobil gegen drastische Sparpläne bei Volkswagen
Betriebsrat und Gewerkschaft bei Volkswagen machen mobil gegen "Brutalo-Pläne" des Vorstands: An allen VW-Standorten in Deutschland protestierten am Donnerstag Arbeitnehmervertreter gegen die mutmaßlich drastischen Sparpläne des Autobauers. Am Nachmittag kam der Aufsichtsrat zusammen, um über die Pläne zu beraten. Offenbar will VW bis zu 100.000 Stellen streichen und bis 2034 vier Werke in Deutschland schließen. Der Betriebsrat forderte "endlich Klarheit".
Kurz vor Beginn der Aufsichtsratssitzung am Nachmittag sagte Thorsten Gröger von der IG Metall Niedersachsen in Wolfsburg: "Wir werden nicht tatenlos zusehen." Der Konzern riskiere einen "Großkonflikt, der sich gewaschen hat".
Die IG Metall kündigte an, sie werde den Druck in der zweiten Jahreshälfte notfalls weiter erhöhen, sollte der Vorstand an seinen Plänen festhalten. Weitere Aktionstage an den deutschen Standorten seien in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen. Aktuell bestehe sowohl im Volkswagen-Haustarifgebiet als auch in der Metall- und Elektroindustrie Friedenspflicht.
Gröger nannte die Infomationspolitik des Konzerns ein "absolutes Desaster". Er habe den Eindruck, "als würden ganz gezielt Infos von ganz oben aus der Chefetage durchgestochen und gleichzeitig lässt man die Belegschaft stehen", ohne ihnen klare Informationen zu geben. Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo forderte "endlich Klarheit für die Belegschaft".
Medienberichten zufolge sollen bei Volkswagen bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze weltweit gestrichen werden. Zudem erwägt Konzernchef Oliver Blume demnach, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der bestehenden Konzernstruktur der Volkswagen AG herauszubrechen und in eigenständige Gesellschaften zu überführen, um die besonderen Mitbestimmungsrechte und die Sperrminorität des Landes Niedersachsen zu unterlaufen, die im VW-Gesetz verankert sind.
Der "Spiegel" berichtete unter Berufung auf Aufsichtsratskreise, der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume wolle in fünf Jahren in den Werken Zwickau und Emden die Produktion auslaufen lassen. Das Nutzfahrzeugwerk Hannover solle 2032 folgen, das Audi-Werk in Neckarsulm 2034. In diesen vier Werken arbeiten demnach rund 40.000 Menschen. Zudem wolle Blume bis 2030 rund 50.000 Stellen streichen.
Dem Bericht zufolge will der Vorstand die Investitionen im Zeitraum von 2027 bis 2031 von zuletzt 180 Milliarden Euro auf 135 Milliarden Euro kürzen. Die Modelle, die bislang in deutschen Werken gebaut werden, sollen in günstigeren osteuropäischen Werken vom Band laufen - etwa in Bratislava in der Slowakei oder in Györ in Ungarn. Für die deutschen Standorte sollten andere Zwecke gefunden werden, etwa der Verkauf an Rüstungsunternehmen.
Betriebsratschefin Cavallo forderte einen "ganzheitlichen Zukunftsplan" statt Stellenabbau und Werksschließungen. Der Vorstand müsse einen "umfassenden ganzheitlichen Plan" entwickeln, der auch Themen wie Technologieführerschaft und Produkte für unterschiedliche Märkte angehe, sagte sie.
Sie forderte außerdem Unterstützung durch die Politik, um den "starken europäischen Markt gegen den Wettbewerb zu schützen" und Arbeitsplätze in Deutschland und in Europa zu sichern. "Wenn um uns herum USA und China ihre Industrie schützen mit Subventionen, mit auch Zöllen, dann kann es nicht sein, dass wir als Europäische Union dort tatenlos zuschauen, sondern da brauchen wir auch die richtigen politischen Konzepte."
M.Schneider--VB