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US-Finanzminister rechnet nicht mit Staatsanleihen-Verkauf der Europäer
US-Finanzminister Scott Bessent hat Vermutungen zurückgewiesen, dass europäische Länder im Streit um Grönland als Vergeltungsmaßnahme US-Staatsanleihen abstoßen könnten. Ein solcher Schritt "würde jeder Logik widersprechen", sagte Bessent am Dienstag in Davos beim Weltwirtschaftsforum auf Nachfrage. Der US-Anleihemarkt sei der Markt mit der "weltweit besten Performance" und er erwarte, dass die Regierungen europäischer Länder an den Anleihen festhalten wollten.
Würden europäische Staaten sich in einer gemeinsamen Strategie all ihrer US-Staatsanleihen entledigen, könnte das für die USA schmerzhaft werden: In dem Fall stiegen die langfristigen Renditen, die Regierung von US-Präsident Donald Trump müsste tendenziell mehr zahlen, um sich am Markt Geld zu leihen.
Ausländer halten rund ein Drittel der gehandelten US-Staatsanleihen - allen voran Japan. Weitere wichtige Inhaber von Staatsanleihen sind Großbritannien, Belgien, Kanada und Frankreich.
Bessent sagte zu der in Medienberichten erwähnte Möglichkeit des Verkaufs von US-Staatsanleihen: "Das ist eine völlig falsche Darstellung. Ich denke, alle sollten tief durchatmen. Hören Sie nicht auf Medien, die hysterisch sind."
Die Forschungsdirektorin des Handels- und Investmentunternehmens XTB, Kathleen Brooks, hingegen sagte, dass es Anzeichen für eine "Sell America"-Bewegung gebe. Die US-Börsen seien wegen eines Feiertags am Montag geschlossen geblieben, aber in Erwartung der Wiedereröffnung am Dienstag stiegen "die Renditen auf Staatsanleihen stark", sagte sie. Der Dollar sei gefallen und Japan "führt einen weltweiten Ausverkauf an".
Auch der Marktstratege Patrick Munnelly von der Tickmill Group sagte, die Sorge über die "konfrontative Haltung" der US-Regierung gegenüber internationalen Partnern habe zugenommen. Dies könne die Nachfrage nach US-Anlagen potenziell dämpfen, wobei längerfristige Anleihen "am stärksten von diesem Rückgang betroffen sein werden".
Analysten blicken mit Spannung nach Davos, wo Trump am Mittwoch erwartet wird. Der Staatschef hatte in den vergangenen Wochen immer wieder einen Besitzanspruch auf Grönland erhoben und dies mit nationalen Sicherheitsinteressen der USA in der Arktis begründet. Am Samstag kündigte Trump neue Zölle für acht europäische Länder an, weil diese sich weigerten, seinen Forderungen nachzukommen, darunter auch Deutschland. Die EU signalisierte am Montag Gesprächsbereitschaft - und kündigte zugleich die Vorbereitung von Gegenmaßnahmen an.
S.Spengler--VB