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Israel greift erneut Süden des Libanon an - Hisbollah meldet Kämpfe im Grenzgebiet
Israel hat erneut Luftangriffe auf mehrere als Hisbollah-Hochburgen geltende Gebiete im Libanon geflogen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur ANI wurden bei Angriffen am Freitag in der Region um die Küstenstadt Sidon vier Zivilisten getötet, eine weitere Frau wurde demnach in der südostlibanesischen Bekaa-Ebene getötet. Auch südliche Vororte von Beirut attackierte die israelische Armee erneut. Die pro-iranische Hisbollah-Miliz meldete heftige Kämpfe im Grenzgebiet zu Israel.
Über dem Beiruter Vorort Tahouitet al-Ghadir stieg nach israelischen Angriffen Rauch auf, wie auf Aufnahmen von AFPTV zu sehen war. AFP-Reporter berichteten von mehreren Explosionen in Beirut.
Die israelische Armee hatte vor dem Angriff auf Tahouitet al-Ghadir laut Medienberichten weder eine Warnung ausgesprochen noch zur Evakuierung aufgerufen. Die Bewohner von sieben weiteren Stadtteilen von Beirut rief die Armee hingegen zum Verlassen ihrer Wohnungen auf. Ins Visier genommen werde "terroristische Infrastruktur der Hisbollah". Viele normalerweise dicht besiedelte Viertel der libanesischen Hauptstadt sind seit der jüngsten Eskalation zwischen Israel und Libanon mittlerweile menschenleer.
Auch aus anderen Landesteilen wurden Angriffe gemeldet. Laut Meldungen der Nachrichtenagentur ANI attackierte Israel Gebiete im Süden und Osten des Landes. Das libanesische Gesundheitsministerium erklärte, bei einem Angriff in der südlibanesischen Region Sidon seien vier Menschen getötet worden. Bei einem Angriff in der Bekaa-Ebene sei eine schwangere Frau getötet worden.
Die Hisbollah erklärte derweil, sie habe mehr als 90 Angriffe auf israelische Ziele im Libanon und jenseits der Grenze ausgeführt. Zudem erklärte die Miliz, ihre Kämpfer hätten sich in den Grenzorten Bajada und Schamaa Gefechte mit israelischen Soldaten geliefert. Die israelische Armee teilte mit, sie habe in der grenznahen Ortschaft Chiam in einem Schulgebäude ein Waffenlager entdeckt, in den unter anderem Panzerabwehrraketen gehortet worden seien.
Der israelische Armeesprecher Effie Defrin sagte, "entgegen der Erklärung der libanesischen Regierung zu Beginn des Jahres" sei die Hisbollah weiterhin im Süden des Landes im Einsatz und führe von dort aus Angriffe aus. Wenn die libanesische Regierung die Hisbollah nicht entwaffne, werde dies die israelische Armee tun, warnte er.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte angesichts der Lage im Libanon vor einer "humanitären Katastrophe". Mehr als 136.000 Flüchtlinge lebten in rund 660 überfüllten Sammelunterkünften, meist Schulen, sagte die UNHCR-Vertreterin Karolina Lindholm Billing in Genf.
Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar waren auch die gegenseitigen Angriffe der Hisbollah und Israels erneut eskaliert. Nach der Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei nahm die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz den Norden Israels unter Beschuss. Israel reagierte hierauf mit Luftangriffen und einem Vorrücken von Bodentruppen im Grenzgebiet. Nach Angaben von Verteidigungsminister Israel Katz strebt die Armee die Kontrolle über das Gebiet bis zum Litani-Fluss an. Nach Angaben der libanesischen Behörden wurden seit Beginn der jüngsten Eskalation mehr als 1100 Menschen getötet und über eine Million weitere vertrieben.
L.Meier--VB