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Wachstumsmotor Autoindustrie: Umsatz und Gewinn der deutschen Konzerne gestiegen
Die Autoindustrie ist in den vergangenen Monaten Wachstumsmotor für die deutsche Wirtschaft geblieben: Umsatz und Gewinne der Autobauer stiegen im zweiten Quartal kräftig. Die Exporte der Branche legten in den ersten sechs Monaten deutlich zu. Die Beratungsgesellschaft EY warnt aber bereits vor einer Verschlechterung der Lage im zweiten Halbjahr.
Die Autokonzerne hätten vom nachlassenden Chipmangel bei hohen Preisen profitiert und weiterhin hohe Gewinne vor allem mit Verbrennern erwirtschaftet, erläuterte Mathieu Meyer von EY am Freitag. Sie hätten noch immer gut gefüllte Auftragsbücher und profitierten von einer verbesserten Verfügbarkeit von Halbleitern und anderen Vorprodukten.
Im Gewinn-Ranking der 40 größten börsennotierten Konzerne von EY belegen Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW mit 5,6 Milliarden Euro, 5,0 Milliarden Euro und 4,3 Milliarden Euro im zweiten Quartal die Plätze eins, drei und vier. Auf Platz zwei kam die Deutsche Telekom mit 5,2 Milliarden Euro Gewinn. Der Umsatz der Autokonzerne stieg in Europa demnach um 21 Prozent.
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden meldete am Freitag, dass Autos und Autoteile die wichtigsten Exportgüter Deutschlands im ersten Halbjahr waren - die Ausfuhr stieg zudem um fast 16 Prozent auf einen Wert von 136,5 Milliarden Euro an. Auch der Export von Maschinen florierte.
Insgesamt ist die Lage der großen Konzerne in Deutschland laut EY aber eher mau. "Immer stärker spüren viele Unternehmen die schwache Konjunkturentwicklung", erklärte Henrik Ahlers von EY.
Der Gesamtumsatz der 40 im Deutschen Aktienindex (Dax) notierten Konzerne stieg demnach im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,1 Prozent auf rund 446 Milliarden Euro, der operative Gewinn der Unternehmen um knapp drei Prozent auf 40,5 Milliarden Euro. Beide Prozentwerte lagen also unter der Inflationsrate.
Bei 14 der 40 Konzerne ging der Umsatz im Vorjahresvergleich auch zurück, bei 18 der Gewinn. "Nach einem sehr starken Vorjahr ist die Luft für viele Unternehmen nun sehr dünn geworden", fasste Ahlers von EY zusammen. "Es fällt immer schwerer, das erreichte hohe Gewinnniveau zu halten."
Auch der Autobranche "weht der Wind zunehmend ins Gesicht", analysierte EY. Die Auftragseingänge seien schwach, angesichts der hohen Inflation, zunehmender Konjunktursorgen und des anhaltend hohen Zinsniveaus sinke die Kaufbereitschaft bei Kunden. "Überkapazitäten und Rabatte könnten daher bald wieder auf die Margen drücken."
Ahlers rechnet auch insgesamt damit, dass die zweite Jahreshälfte noch schwieriger wird als die erste. Wachstumsimpulse seien nicht in Sicht, das geringe Umsatzwachstum werde von der nach wie vor hohen Inflation mehr als aufgezehrt. "De facto haben wir es vielfach bereits mit einem Minuswachstum zu tun."
Der EY-Experte mahnte, das Kostenproblem am Standort Deutschland werde "immer drängender": Vor allem die hohen Energiepreise führten dazu, dass Investitionen aufgeschoben würden und über eine Verlagerung der Produktion ins Ausland nachgedacht werde. "Diesen Trend verstärken auch die hierzulande sehr komplexen und langwierigen Genehmigungsverfahren. Von einem Bürokratieabbau ist nichts zu sehen."
J.Horn--BTB