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Moskau macht Ukraine und Opposition für Tod von Militärblogger verantwortlich
Moskau hat am Montag die Ukraine und Anhänger des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny für den gewaltsamen Tod des russischen Militärbloggers Wladlen Tatarski verantwortlich gemacht. Die Ermittler meldeten die Festnahme einer Verdächtigen, die sie als Unterstützerin von Nawalnys Anti-Korruptions-Stiftung bezeichneten. Kiew und Nawalnys Sprecherin wiesen die Vorwürfe zurück. Auch der Chef der russischen Söldner-Truppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, glaubt nicht an eine Beteiligung Kiews an dem Anschlag.
"Der Terrorangriff wurde von ukrainischen Geheimdiensten mit Hilfe von Agenten geplant, die mit der so genannten Anti-Korruptions-Stiftung zusammenarbeiten", erklärte das russische Anti-Terror-Komitee. Eine Verdächtige, die 26-jährige Darija T., sei festgenommen worden. In einem von der Polizei veröffentlichten Video sagte eine junge Frau aus, sie habe die Büste mitgebracht, bei deren Explosion Tatarski getötet worden sei. Woher sie diese hatte, sagte sie nicht.
Tatarski, der mit bürgerlichem Namen Maxim Fomin heißt, war ein Befürworter der russischen Offensive in der Ukraine, schrieb aber auch kritisch über das russische Militär. Berichten zufolge war dem 40-Jährigen in dem Café eine Büste als Geschenk überreicht worden, in der sich ein Sprengsatz befand.
Bei dem Anschlag wurden jüngsten Behördenangaben zufolge weitere 32 Menschen verletzt, acht von ihnen befanden sich demnach in lebensgefährlichem Zustand.
Das Café gehörte dem Chef der Söldner-Gruppe Wagner, Prigoschin. Dieser erklärte am Montag auf Telegram, er habe das Lokal der Gruppe "Cyber Z Front" überlassen. Bei einer von deren Veranstaltungen kam es dann zur Explosion.
Die staatliche Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtete, die Verdächtige sei bereits im Februar 2022 wegen der Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration gegen die russische Offensive in der Ukraine für zehn Tage inhaftiert worden. Dem russischen Innenministerium zufolge ist T. russische Staatsbürgerin und gebürtig aus St. Petersburg.
Eine Sprecherin von Nawalnys Stiftung, Kira Jarmysch, wies jegliche Beteiligung an dem Attentat zurück. Sie warf dem Kreml vor, Nawalny bewusst hineingezogen zu haben, um bei seinem bevorstehenden Prozess wegen "Extremismus" eine weitere Anklage wegen "Terrorismus" hinzufügen zu können.
Bereits am Sonntag hatte der Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Michailo Podoljak, eine Verwicklung seines Landes in den Anschlag zurückgewiesen. Er machte seinerseits "innerrussischen Terrorismus" verantwortlich, der auf Rivalitäten innerhalb des russischen Regimes zurückzuführen sei.
Ähnlich äußerte sich am Montag auch Prigoschin. Er glaube, dass die Verantwortung für den Anschlag nicht bei Kiew liege, sondern bei "einer Gruppe von Radikalen, die schwerlich etwas mit der (ukrainischen) Regierung zu tun hat", erklärte er auf Telegram.
Tatarski stammte aus dem ostukrainischen Donbass. Russischen Medienberichten zufolge war er im Jahr 2011 wegen eines Banküberfalls in der Ukraine inhaftiert worden. 2014 nutzte er die von Moskau gesteuerten Separatisten ausgelösten Auseinandersetzungen in der Ostukraine und floh aus dem Gefängnis, um sich den Kämpfern anzuschließen.
2019 verließ er laut der Tageszeitung "Kommersant" die separatistischen Kräfte und machte sich als Blogger einen Namen. Als er im vergangenen September an einem Empfang des Kreml anlässlich der einseitigen Annexion ukrainischer Regionen teilnahm, sagte Tatarski vor laufender Kamera: "Wir werden alle besiegen. Wir werden alle töten. Wir werden jeden ausrauben, wenn es nötig ist. Ganz wie es uns gefällt".
E.Schubert--BTB