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Block-Prozess in Hamburg: Mitangeklagter Gerhard Delling beteuert Unschuld
Im Prozess um die gewaltsame Entführung von zwei Kindern der Steakhauskettenerbin Christina Block hat deren wegen Beihilfe mitangeklagter Lebensgefährte, der ehemalige ARD-Sportkommentator Gerhard Delling, vehement seine Unschuld beteuert. Er habe in seinem Leben "nie etwas Strafbares" getan und sich immer aus "tiefer Überzeugung" gegen Gewalt positioniert, sagte der 66-Jährige am Dienstag vor dem Landgericht Hamburg. Während eines insgesamt emotionalen Prozesstages sagte zudem Blocks früherer Ehemann, der Kindsvater, aus.
Er wäre umgehend "aktiv" eingeschritten, wenn er vorab von Entführungsplanungen gehört hätte, sagte Delling vor Gericht. Generell habe er seine Lebensgefährtin, die massiv unter der "Entziehung" ihrer Kinder durch den Vater leide, emotional unterstützt und ihr über die Jahre "Mut zugesprochen". Er habe Blocks juristischen und behördlichen Kampf eng begleitet, sei dabei aber in Einzelheiten nicht weiter eingeweiht gewesen. "Aus meiner Sicht stand nie in Rede, etwas Ungesetzliches zu tun", beteuerte Delling.
Auch Dellings Verteidiger betonte wie bereits zum Verhandlungsauftakt im Juli erneut dessen Unschuld. Sein Mandant sei zu keinem Zeitpunkt in etwaige Planungen eingebunden gewesen oder habe Handlungen im Sinne der Anklage befördert, sagte Anwalt David Rieks.
In dem Prozess geht es um die Verschleppung von zwei der vier gemeinsamen Kinder von Block und ihrem ehemaligen Ehemann. In der Silvesternacht 2023/24 sollen die Kinder dem Vater von mehreren maskierten Männern in Dänemark entrissen und zur Mutter nach Deutschland gebracht worden sein, wo sie später wieder der Polizei übergeben wurden.
Hintergrund ist ein jahrelanger, erbitterter Sorgerechtsstreit. Begleitet wird dieser von gegenseitigen Vorwürfen des Fehlverhaltens, auch rechtlich ist der Fall kompliziert. Der Vater behielt die Kinder laut Blocks Verteidigung ab 2021 eigenmächtig bei sich in Dänemark und ignorierte Gerichtsentscheidungen. Deshalb ist er in einem separaten Strafverfahren selbst angeklagt. Nach der Entführung an Silvester sprachen dänische Gerichte ihm das Sorgerecht zu.
Der Anklage zufolge soll Block die Entführung ihrer zur Tatzeit zehn sowie 13 Jahren alten Kinder mit einer israelischem Sicherheitsfirma und einem Rechtsanwalt organisiert haben. Block wies sämtliche Vorwürfe in dem von erheblichem Medieninteresse begleiteten Prozess bereits zuvor zurück und sagte unter anderem aus, sie habe die Entführung nicht in Auftrag gegeben.
Demnach erfuhr sie erst nach der Entführung am Neujahrstag von der Tat und nahm ihre Kinder anschließend in Empfang. Ihre Verteidigung stellte parallel die These in den Raum, das Sicherheitsunternehmen habe eine Entführung in der Hoffnung auf Entlohnung eigenmächtig geplant.
Blocks neuer Lebensgefährte Delling soll laut Anklage die Reise von Block zum Übergabeort der Kinder auf einem Hof in Baden-Württemberg organisiert und unmittelbar nach der mutmaßlichen Entführung gegenüber der nach den zwei Kindern suchenden deutschen Polizei falsche Angaben gemacht haben.
Nach Delling wies unter anderem eine weitere Mitangeklagte, eine Cousine Blocks, die Vorwürfe zurück. Block habe Entführungspläne nie "auch nur angedeutet", sagte diese teils unter Tränen aus. Sie selbst hätte sich daran auch nicht beteiligt. Sie sei der Meinung gewesen, dass Block damals zudem das Recht gehabt habe, den Aufenthalt ihrer zwei Kinder zu bestimmen.
Das Gericht begann am Dienstag außerdem mit der Befragung von Blocks früherem Ehemann. Dieser hatte mit seinen beiden Kindern das Feuerwerk in seinem Wohnort angeschaut, als die Entführer ihn laut Anklage angriffen und die Kinder in Autos zerrten. "Ich hatte Todesangst", berichtete der Nebenkläger. Er habe sich gewehrt, die Kinder hätten geschrien. Entführungsversuche habe es bereits zuvor gegeben, sagte der Unternehmensberater.
Neben Block und Delling sind mehrere weitere Beschuldigte angeklagt, darunter auch ein mutmaßlich direkt an der Entführung beteiligter Israeli. Dieser gestand in der vorigen Woche. Demnach gehört er zu einem Team, das der Chef des für die Unternehmerfamilie Block tätigen israelischen Sicherheitsfirma zusammenstellte, um die Kinder zu entführen. Über Auftraggeber sei er aber nicht informiert gewesen.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt, das Gericht setzte insgesamt bereits Termine bis März an. Block ist die Tochter des Hamburger Gastronomieunternehmers Eugen Block. Der Familie gehören Restaurantketten und Hotels. Delling ist Sportjournalist. Legendär sind unter anderem seine Moderationen von Fußballländerspielen gemeinsam mit Ex-Nationalspieler Günter Netzer
L.Wyss--VB