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Misshandelt und mit Exkrementen beschmiert: Aktivistin schildert Folter in Tansania
Sie wurde entblößt, geschlagen, sexuell misshandelt und mit Exkrementen beschmiert: Die international anerkannte Menschenrechtsaktivistin Agather Atuhaire aus Uganda ist bei einem Aufenthalt in Tansania in dieser Woche nach eigenen Angaben von Sicherheitskräften gefoltert worden. Atuhaire war am Montag in der tansanischen Wirtschaftsmetropole Daressalam festgenommen worden, wie sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP beschreibt.
Die Anwältin und Journalistin Atuhaire wurde im vergangenen Jahr von den USA mit der Auszeichnung International Women of Courage geehrt. Sie war zur Unterstützung des tansanischen Oppositionsführers Tundu Lissu nach Daressalam gereist, der wegen angeblichen Verrats vor Gericht steht. Vor den Wahlen im Oktober droht ihm die Todesstrafe.
Nach ihrer brutalen Tortur sei sie am frühen Freitagmorgen von tansanischen Sicherheitskräften in die Nähe der ugandischen Grenze gebracht worden, erzählt Atuhaire AFP. Mit den Worten "Was in Tansania geschieht, bleibt in Tansania" sei sie zum Schweigen aufgefordert worden. "Wir haben Videos von dir", sei ihr gesagt worden.
Atuhaire wurde zusammen mit Boniface Mwangi festgenommen, einem bekannten Menschenrechtsaktivisten aus Kenia, der ebenfalls den Prozess gegen Lissu verfolgen wollte. Die Polizei habe ihr gesagt: "Die Weißen schicken euch, um unser Land zu destabilisieren", berichtet sie AFP nach ihrer Rückkehr am Freitag in der ugandischen Hauptstadt Kampala.
Nach ihrer Vernehmung wurden Atuhaire und Mwangi mit verbundenen Augen an einen unbekannten Ort gefahren. Dort hätten sie Mwangi aus dem Auto gezogen und angefangen, ihn zu schlagen. "Er hat geschrien", sagte Atuhaire. Die Agenten hätten im Autoradio Gospel abgespielt, offenbar um die Schläge zu überspielen.
Ihr selbst seien die Kleider vom Leib gerissen worden, ihre Hände seien mit den Fußgelenken zusammengebunden worden. Sie zeigt Verletzungen an ihren Unterarmen und Beinen. Einer der tansanischen Polizisten habe "mit aller Kraft" auf ihre Fußsohlen geschlagen, während ein anderer einen Gegenstand in ihren Anus gesteckt habe, erzählt sie.
"Ich wusste nicht, dass es solche Schmerzen gibt", sagt sie. "Ich weiß nicht mehr, welcher Schmerz schlimmer war", fügt sie hinzu. "Nach diesen Schlägen habe ich geschrien, geschrien." Anschließend hätten sie ihren Körper mit Exkrementen beschmiert. Alles sei gefilmt worden, "um zu demütigen, Angst einzuflößen, aber auch, um mich zum Schweigen zu bringen".
Das US-Außenministerium teilte am Samstag mit, es sei "zutiefst besorgt" über die Berichte über die Misshandlung Atuhaires und Mwangis, und forderte eine "sofortige und umfassende Untersuchung".
Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte, die "Folter und Verschleppung" von Mwangi und Atuhaire müssten "dringend untersucht" werden.
Auf eine Bitte von AFP um eine Stellungnahme bei der tansanischen Regierung gab es zunächst keine Antwort.
Atuhaire ist eine erbitterte Kritikerin der Regierung von Ugandas Präsident Yoweri Museveni, der sein Land seit fast 40 Jahren regiert. Ihre Offenlegung von Korruption als Leiterin des Agora-Forschungszentrums hat ihr internationale Anerkennung eingebracht.
Tansanias Präsidentin Samia Suluhu Hassan sagte am Montag, ausländische Aktivisten würden versuchen, sich in die nationalen Angelegenheiten "einzumischen". Sie rief die Sicherheitskräfte auf, "nicht zuzulassen, ungehobelte Individuen aus anderen Ländern" hereinzulassen. Menschenrechtsaktivisten werfen Hassan vor, vor den Wahlen im Oktober brutal gegen die Opposition vorzugehen.
Die Chadema-Partei des angeklagten Lissu wurde von der Wahl ausgeschlossen, nachdem sie es abgelehnt hatte, einen Verhaltenskodex zu unterzeichnen.
Einen Tag nach der Warnung der Präsidentin an ausländische Aktivisten konnte Atuhaire nicht auftreten - wegen der Schläge auf ihre Fußsohlen. "Die Schmerzen waren unvorstellbar", erzählt sie, aber ihre Entführer hätten sie gezwungen aufzustehen. Bis zu ihrer Freilassung seien ihr die Augen verbunden worden und sie habe in ständiger Furcht vor möglichen neuen Qualen gelebt.
"Wir wurden beide schlimmer behandelt als Hunde, angebunden, mit verbundenen Augen, und grausam gefoltert", erzählt auch Mwangi. Er konnte nach seiner Freilassung kaum laufen und kehrte am Donnerstag in die kenianische Hauptstadt Nairobi zurück. "Die Situation in Tansania ist sehr schlecht." Er gehe davon aus, dass "das, was uns passiert ist, allen tansanischen Aktivisten geschieht", fügt er hinzu.
Atuhaire will Tansania wegen der Folter verklagen. "Für mich ist das Bedürfnis nach Gerechtigkeit stärker als alles andere", sagt sie.
F.Stadler--VB