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WWF-Zählung: Gefährdete Monarchfalter erholen sich trotz andauernder Bedrohung
Der Bestand des Monarchfalters hat sich merklich erholt. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Erhebung der Umweltschutzorganisation WWF, die den Bestand der Schmetterlinge in ihrem Winterquartier im mexikanischen Hochland untersucht hat. In der aktuellen Saison registrierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insgesamt neun Kolonien der Tiere, die zusammen eine Waldfläche von 2,93 Hektar umfassten. Das entspricht einem Anstieg von 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Die Daten stammen aus einer Bestandsaufnahme, die der WWF Mexiko gemeinsam mit Partnerorganisationen seit 1993 jährlich erhebt. "Wir freuen uns, dass die Monarchfalter dieses Jahr wieder deutlich zahlreicher in Mexiko angekommen sind", sagte Dirk Embert, Lateinamerika-Referent beim WWF Deutschland. "Es ist die zweite Saison in Folge, in der wir einen Anstieg registrieren."
Trotzdem bleibe die Lage der Falter "fragil", betonte der Experte. "Ihre Zahl liegt im historischen Vergleich deutlich unter den Höchstständen der 1990er Jahre und an ihrer Bedrohung hat sich wenig geändert."
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zählen bei der Erhebung keine einzelnen Tiere, sondern messen die Fläche der Waldgebiete, die von den Schmetterlingskolonien während der Wintermonate besetzt werden. In der Saison 2025 und 2026 wurden den Angaben zufolge drei Kolonien im Bundesstaat Michoacán und sechs im Bundesstaat México registriert. Fünf Kolonien lagen innerhalb der Biosphärenreservate Mariposa Monarca, vier weitere Kolonien befanden sich außerhalb der Schutzgebiete.
Die jährliche Migration der Monarchfalter gehört zu den beeindruckendsten Naturschauspielen der Erde. Jeden Herbst machen sich Millionen der Schmetterlinge mit dem lateinischen Namen Danaus plexippus aus Kanada und den USA auf den Weg nach Süden, um der Winterkälte zu entgehen. Auf ihrer Reise legen sie teilweise mehr als 4000 Kilometer zurück.
Da die Tiere nur wenige Wochen leben, braucht es mehrere Generationen, bis die Population die gesamte Strecke bewältigt. In den Wäldern Zentralmexikos sammeln sich die Falter schließlich in dichten Kolonien, die ganze Baumkronen bedecken und Äste unter ihrem Gewicht biegen lassen.
Trotz der aktuellen Zunahme bleibt die Zukunft der Art nach WWF-Angaben unsicher. Hauptursachen für den langfristigen Rückgang sind demnach der intensive Einsatz von Herbiziden, Landnutzungsänderungen sowie die Folgen der Erderhitzung. Diese Faktoren führen dazu, dass die für den Nachwuchs unverzichtbaren Seidenpflanzen immer seltener werden. Die Weibchen legen ihre Eier ausschließlich auf diesen Pflanzen ab.
Gleichzeitig verändern sich durch den Klimawandel Blütezeiten und Wetterbedingungen, was die Migration zusätzlich stören kann. "Gern würden wir verkünden, dass sich die Monarchfalter aufgrund greifender Schutzmaßnahmen erholt haben. Leider ist es eher so, dass sich die Schmetterlinge trotz anhaltendender Bedrohung zuletzt besser geschlagen haben", erklärte Embert. "Insbesondere die intensive Landwirtschaft und die Klimakrise machen den Tieren immer stärker zu schaffen."
"Wir brauchen dringend strengere Regulierungen beim Herbizideinsatz in Nordamerika, mehr nachhaltige Forstwirtschaft in Mexiko und mehr Einsatz für den Klimaschutz", erklärte der WWF-Experte. "Andernfalls wird die aktuelle positive Entwicklung nur eine kurze Zwischenblüte bleiben, bevor die Populationen erneut in einen kritischen Abwärtstrend rutschen, aus dem es bald vielleicht kein Zurück mehr gibt."
M.Vogt--VB