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Überraschendes Übernahmeangebot: US-Videospielkette Gamestop will Ebay kaufen
Die US-Videospielkette Gamestop hat ein überraschendes Übernahmeangebot für das nach Bilanzzahlen deutlich größere Unternehmen Ebay abgegeben. Ziel sei, einen "wahren Konkurrenten" zum Online-Handelsriesen Amazon zu schaffen, erklärte Gamestop am Sonntag. Das Unternehmen bietet demnach rund 55,5 Milliarden Dollar (47,3 Milliarden Euro).
Gamestop habe bereits seit Anfang Februar Aktien an Ebay gekauft und besitze so aktuell rund fünf Prozent der Anteile, teilte das Unternehmen mit. Für weitere Ebay-Aktien bietet Gamestop 125 Dollar pro Stück, das wären demnach 46 Prozent mehr als der Durchschnittskurs seit Anfang Februar. Gamestop wurde am Freitag bei Börsenschluss mit knapp 11,9 Milliarden Dollar bewertet - Ebay mit 46,2 Milliarden Dollar.
"Ebay sollte mehr wert sein und wird mehr wert sein", sagte Gamestop-Chef Ryan Cohen dem "Wall Street Journal". "Ich habe vor, Ebay in ein Unternehmen zu verwandeln, das mehrere hundert Milliarden Dollar wert ist." Er habe eine verbindliche Zusage der kanadischen TD Bank über einen 20-Milliarden-Dollar-Kredit für die Übernahme. Gamestop erklärte zudem, das Unternehmen verfüge über eigene Barmittel in Höhe von rund 9,4 Milliarden Dollar.
Dazu kämen Einsparungen bei Ebay in Höhe von zwei Milliarden Dollar in den zwölf Monaten nach der Übernahme - und dies wiederum werde zu einem Gewinnsprung führen. Gamestop-Chef Cohen sagte dem "Wall Street Journal", sollte das Management von Ebay sich nicht offen für die Übernahme zeigen, werde er sich direkt an die Aktionäre wenden. Die nächste Hauptversammlung ist im Juni geplant. Ebay reagierte zunächst nicht auf die Mitteilung.
Ebay wurde 1995 im Silicon Valley gegründet und entwickelte sich in den 2000er Jahren zu einer festen Größe im Online-Handel. Unter dem Aufstieg von Amazon zum Marktführer im weltweiten Online-Handel hat die Plattform aber deutlich gelitten. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 11,10 Milliarden Dollar und einen Nettogewinn von 2,03 Milliarden.
Gamestop seinerseits erzielte im Geschäftsjahr 2025, das Ende März endete, einen Umsatz von 3,69 Milliarden und einen Nettogewinn von 418 Millionen. Das Unternehmen hatte 2021 für Aufsehen gesorgt: Damals hatten Hedgefonds wegen Schwierigkeiten des Computerspielhändlers infolge der Corona-Pandemie auf sinkende Kurse gewettet. Anleger, die sich vor allem über die Plattform Reddit organisierten, kauften dann massenhaft Gamestop-Aktien und bescherten dem Unternehmen einen massiven Kursanstieg.
Im Mai 2025 sorgte Gamestop erneut für Aufsehen, als das Unternehmen fast 5000 Bitcoin im Wert von damals rund 500 Millionen Dollar kaufte. Cohen ist seit 2021 bei Gamestop und hat das Unternehmen seitdem spürbar verändert. Er persönlich besitzt nach Firmenangaben neun Prozent der Anteile an der Videospielkette und bekommt weder Gehalt noch Boni. Auch einen "goldenen Fallschirm", sollte er Gamestop verlassen, gibt es demnach nicht.
R.Fischer--VB