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Wissenschaftler: Intensität der derzeitigen Hitzewelle hängt "eindeutig" mit Klimawandel zusammen
Die Intensität der derzeitigen Hitzewelle in Europa hängt nach Einschätzung einer Wissenschaftlergruppe mit dem Klimawandel zusammen. "Der Klimawandel ist eindeutig dafür verantwortlich", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der internationalen Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). Die natürliche Wärmephase durch das Wetterphänomen El Niño spiele hingegen "keine Rolle bei der Steigerung der Hitze". Die derzeitigen extrem hohen Temperaturen am Tag und in der Nacht wären den Forschern zufolge zu diesem Zeitpunkt im Jahr vor 50 Jahren "praktisch unmöglich" gewesen.
Die Wissenschaftler verglichen die aktuelle Lage unter anderem mit der ebenfalls außergewöhnlichen Hitzewelle von 1976. Eine vergleichbare Hitzewelle wäre vor einem halben Jahrhundert im Juni tagsüber um 3,5 Grad und nachts um 2,4 Grad weniger heiß gewesen, berechneten sie.
"Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sich in diesen 50 Jahren, in denen sich der Planet um 1,1 Grad erwärmt hat, die Wahrscheinlichkeit einer Hitzewelle wie dieser enorm verändert hat", erklärte Studienautor Theodore Keeping vom Imperial College London. "Dieses Ereignis wäre im Juni ohne Klimawandel nicht möglich gewesen", sagte er vor Journalisten.
Besonders gefährlich für Menschen sei die Kombination aus hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit.
Westeuropa ist seit mehr als einer Woche von einer extremen Hitzewelle betroffen. Ursache ist eine große Warmluftmasse aus Afrika, die durch hohen Luftdruck in der Höhe über Westeuropa gehalten wird. "Das Wettermuster selbst ist nicht besonders ungewöhnlich, aber die Temperaturen sind es - oder waren es zumindest vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel", sagte die deutsche Forscherin und WWA-Mitbegründerin Friederike Otto vom Imperial College London.
Für ihre Analyse verglichen die Wissenschaftler Wetterbeobachtungen und Prognosen für die kommenden Tage mit Daten aus den Jahren 2003 und 1976. Demnach wären auch im Juni 2003, als eine schwere Hitzewelle in Europa zehntausende Menschenleben forderte, vergleichbare Temperaturen etwa zwei Grad kühler gewesen. Heiße Nächte seien heute etwa hundertmal wahrscheinlicher als damals, Hitzespitzen am Tag etwa zehnmal wahrscheinlicher. Die Forscher verwiesen in ihrer Studie auch auf den im Jahresverlauf außergewöhnlich frühen Zeitpunkt der Hitzewelle.
Wie es in der Studie weiter heißt, seien in fast 45 Prozent von 854 untersuchten europäischen Städten Rekorde beim Hitzestress bereits gebrochen worden oder könnten in den kommenden Tagen fallen.
Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent. Wissenschaftler rechnen damit, dass Hitzewellen infolge des Klimawandels künftig häufiger auch außerhalb des Hochsommers auftreten. Bereits im Mai hatte es in Mittel- und Westeuropa eine frühe Hitzewelle gegeben.
T.Suter--VB