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Studie: Aufweichung von EU-Verbrenner-Aus könnte tausende Jobs kosten
Die geplante Aufweichung der strikten Vorgaben für Autos mit Verbrennermotor könnte einer Studie zufolge auf lange Sicht tausende Jobs in der EU kosten. Zwar würde eine weniger strenge Regulierung kurzfristig den Stellenabbau in der Verbrennungsmotorenproduktion bremsen, erklärte die Denkfabrik International Council on Clean Transportation (ICCT) am Mittwoch. Doch zugleich würde sich "das Beschäftigungswachstum in der Produktion von batterieelektrischen Fahrzeugen, der Batterieherstellung und dem Recycling sowie beim Aufbau und der Wartung der Ladeinfrastruktur verlangsamen".
"Würden die derzeitigen EU-Standards beibehalten, bliebe die Beschäftigungslage bis 2035 weitgehend stabil", führen die Studienautoren aus. "Das Wachstum entlang der gesamten Lieferkette für batterieelektrische Fahrzeuge würde genügend Arbeitsplätze schaffen, um die Arbeitsplatzverluste in der Verbrennungsmotorenproduktion auszugleichen." Ein Aufweichen des sogenannten Verbrenner-Aus würde hingegen zu bis zu 185.000 weniger Jobs im Jahr 2035 führen.
Das Verbrenner-Aus geht auf die europäischen Flottengrenzwerte zurück, die festlegen, wie viel Kohlendioxid (CO2) die Neuwagen eines Autobauers im Jahresschnitt ausstoßen dürfen. 2035 sinken diese Grenzwerte eigentlich auf Null, de facto dürften dann keine neuen Autos mit Verbrennermotor mehr zugelassen werden. Ältere Fahrzeuge sind davon nicht betroffen.
Die EU-Kommission schlug auf Druck der Industrie bereits im vergangenen Dezember vor, die Regeln aufzuweichen, damit auch nach 2035 noch neue Autos mit Verbrennermotor auf den Markt kommen können. Die Verhandlungen laufen nun sowohl im Europaparlament als auch im Rat der 27 EU-Länder. Bisher hat keine der beiden Seiten offiziell eine Position festgelegt, zur Debatte steht aber eine weitergehende Aufweichung als von der Kommission vorgeschlagen.
"Die Lockerung der CO2-Normen wird als Mittel zum Schutz von Arbeitsplätzen dargestellt, doch unsere Analyse zeigt das Gegenteil", erklärte Sandra Wappelhorst, Forschungsleiterin beim ICCT und Hauptautorin der Studie. "Stattdessen sollte die EU erwägen, ihre Normen durch Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Lieferketten für Elektrofahrzeuge zu ergänzen. Das Festhalten an einer veralteten Technologie wie dem Verbrennungsmotor wird den Arbeitnehmern auf lange Sicht nicht helfen."
Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass durch die länger mögliche Zulassung von Verbrennern in Europa Arbeitsplätze in die USA abwandern. Es sei derzeit absehbar, dass Neuwagen mit Verbrennerantrieb in den USA "noch ein langes Leben haben". Für deutsche Hersteller sei es dann interessanter, diese Autos in den USA zu bauen und die Nachfrage in Europa mit Exporten zu bedienen, erklärte er. Die VW-Tochter Audi kündigte in dieser Woche an, 4,2 Milliarden Dollar in ein neues US-Werk für Verbrenner zu investieren.
S.Gantenbein--VB