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Tod eines Zugbegleiters: Debatte über Konsequenzen
Nach dem gewaltsamen Tod eines Zugbegleiters bei einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz ist eine Debatte über die Konsequenzen aus dem Fall voll entbrannt. Vertreter von Gewerkschaften und Bahnbetriebsrat forderten eine Doppelbesetzung und bessere Schutzausrüstung für das Zugpersonal, etwa in Form von Bodycams und Notfallknöpfen. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte einen Sicherheitsgipfel an, zu dem sie "in den nächsten Tagen" einladen werde.
Alle Entscheidungsträger, die für die Sicherheit verantwortlich seien, müssten an einen Tisch geholt werden. An dem Treffen sollen Palla zufolge Vertreter der Länder, Bundespolitik, des Bundesverkehrsministeriums, von Gewerkschaften, Bundespolizei und aus der Bahnbranche teilnehmen. Es handele sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Denn das Aggressivitätslevel und auch die Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft, insbesondere im öffentlichen Raum, hat sich in letzten Jahren deutlich erhöht", sagte Palla in Berlin.
Der Chef des Gesamtbetriebsrats der DB Regio Schiene und Bus, Ralf Damde, forderte neue Sicherheitskonzepte und eine stärkere Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. "Wir brauchen Doppelbesetzung, wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt", sagte Damde im Westdeutschen Rundfunk.
Damde kritisierte zudem die Bahnbetreiber. Bei Ausschreibungen in der Vergangenheit habe "je billiger, desto besser" gegolten. Das führe dazu, dass Züge nicht mehr von ausreichend Personal begleitet würden.
Martin Burkert, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, dringt ebenfalls auf eine Doppelbesetzung in Zügen. "Dann wäre das vielleicht verhinderbar gewesen", sagte er am Donnerstag im Radiosender Bayern2. 82 Prozent der Bahn-Mitarbeiter hätten bereits einen verbalen oder körperlichen Angriff erlebt. "Das sind schockierende Zahlen." Auch Burkert plädierte für Bodycams oder einen Notrufknopf an der Uhr.
Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Dürr brachte eine Ausstattung des Zugpersonals mit Tasern ins Spiel. "Darüber muss man auch nachdenken", sagte er in der RTL/n-tv-Sendung "Frühstart".
Ein 36-jähriger Zugbegleiter war am Montag in einem Regionalexpress in Rheinland-Pfalz von einem Schwarzfahrer lebensbedrohlich verletzt worden. Er hatte den Reisenden kontrolliert und wollte ihn wegen des fehlenden Fahrscheins des Zugs verweisen. Daraufhin soll der 26-Jährige dem Zugbegleiter mehrere heftige Faustschläge versetzt haben. Der Bahn-Mitarbeiter, laut Bahn ein alleinerziehender Vater zweier Kinder, starb laut Staatsanwaltschaft an einer Hirnblutung infolge stumpfer Gewalt gegen den Kopf.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Totschlags, der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte habe sich bislang nicht zur Sache eingelassen, hieß es von der Ermittlungsbehörde. Hintergrund der Tat und Motivlage des Beschuldigten seien Gegenstand der Ermittlungen.
Die Länder wollen sich im Rahmen der Verkehrsministerkonferenz (VKM) "zeitnah" mit der Sicherheit für Beschäftigte im öffentlichen Verkehr befassen. Das kündigte Bayerhn Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) an, der derzeit auch Vorsitzender der VMK ist. "Als Gesellschaft können wir das nicht hinnehmen und müssen ein starkes Zeichen der Solidarität senden", erklärte er zu dem Fall des getöteten Zugbegleiters.
Die Tat löste Entsetzen und Mitgefühl aus. Um die Familie des Getöteten zu unterstützen, richteten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von DB Regio ein Spendenkonto ein.
In die Reaktionen mischten sich auch Forderungen nach härteren Strafen. Der Deutsche Richterbund warnte indes vor Rufen nach Strafrechtsverschärfungen. "Der bekannte Reflex in der Politik, das Strafrecht verschärfen zu wollen, ist nachvollziehbar, aber nicht die richtige Antwort", erklärte dessen Bundesgeschäftsführer Sven Rebehn. "Für Tötungsdelikte sieht das Strafrecht schon heute schwerste Strafen vor."
Der Vater des Zugbegleiters erlitt nach Angaben der "Bild"-Zeitung einen Herzinfarkt, nachdem er von der Tat erfahren hatte. Er habe die Klinik zwei Tage später wieder verlassen können. "Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen", sagte der Vater des getöteten Zugbegleiter der "Bild"-Zeitung.
J.Sauter--VB