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MAN baut Stellen ab und erwägt Produktionsverlagerungen - IG Metall protestiert
Der Lkw-Bauer MAN will angesichts einer schwächelnden Nachfrage nach Nutzfahrzeugen die Zahl der Stellen in Deutschland reduzieren und erwägt eine Verlagerung von Teilen seiner Produktion nach Osteuropa. In Deutschland sollen nach Unternehmensangaben in den nächsten zehn Jahren rund 2300 Stellen "sozialverträglich" abgebaut werden. Die IG Metall kritisierte die Pläne des Unternehmens am Donnerstag scharf.
Der Gewerkschaft zufolge soll die Karosseriefertigung für die nächste Lkw-Generation "entgegen bisheriger Zusagen für den Standort München" an den Standort im polnischen Krakau vergeben werden. "Das bedeutet, dass der MAN-Truck der Zukunft in Polen gebaut wird", kritisierte die Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall in München, Sibylle Wankel.
Das Ziel müsse sein, die "Industriearbeitsplätze langfristig in München" zu halten, forderte die Vorsitzende des MAN-Gesamtbetriebsrats, Karina Schnur. Die IG Metall drohte gegen die Unternehmenspläne mit Widerstand. "Wir haben für jede Situation einen Werkzeugkoffer", sagte Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott.
Von Unternehmensseite wurde betont, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle. Geplant ist nach Unternehmensangaben, die Belegschaft an den deutschen Standorten München, Nürnberg, Salzgitter und Wittlich in den kommenden zehn Jahren auf 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu reduzieren. Diese Standorte sollen laut dem Unternehmen alle erhalten bleiben. Auch künftig sollten zudem weitere Investitionen in Deutschland erfolgen.
MAN ist Teil des Traton-Konzerns, an dem Volkswagen die Mehrheit hält. Aktuell sieht sich das Unternehmen mit hohen Strom- und Arbeitskosten sowie steigendem Druck von Wettbewerbern auch aus China konfrontiert. "Wir wollen nicht erneut in eine Abwärtsspirale kommen", begründete Finanzvorständin Inka Koljonen in einem im Intranet des Unternehmens veröffentlichten Interview den geplanten Zukunftsplan "MAN 2030+", über den demnach aber final noch nicht entschieden ist. Der Lkw-Hersteller gehe von dauerhaft niedrigeren Transportvolumina aus und "damit auch von geringer als bislang zu erwartenden Truck-Verkäufen".
Nach Angaben der IG Metall soll der Stellenabbau vorrangig erfolgen, in dem Stellen von in Ruhestand gehenden Beschäftigten nicht mehr besetzt werden. Die Gewerkschaft befürchtet aber einen "Rutschbahneffekt", der zur Verlagerung immer weiterer Unternehmensbereiche nach Polen führen werde und damit zum Wegfall weiterer Stellen in Deutschland. Zwar sollten nach den Unternehmensplänen in München zunächst weiterhin Lkw montiert werden - "wenn alle Teile in anderen Ländern gefertigt werden, kann man sich aber ausrechnen, wie lange das gut geht", warnte Wankel.
Die IG Metall verwies auch auf weitreichende Angebote der Gewerkschaft an die Unternehmensführung, um Kosten zu senken und so Produktionsverlagerungen ins Ausland zu vermeiden. So sei die Belegschaft bereit, auf beträchtliche Sonderzahlungen zu verzichten und die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden zu verlängern, sagte Wankel. Zudem könnten Tariferhöhungen für mehrere Jahre ausgesetzt werden.
H.Gerber--VB