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Äthiopien weiht umstrittenen Mega-Staudamm am Nil ein
Vor dem Hintergrund regionaler Spannungen hat Äthiopien einen umstrittenen riesigen Nil-Staudamm zur Stromproduktion eingeweiht. Der Grand Ethiopian Renaissance Dam (Gerd) sei "ein großer Erfolg für alle schwarzen Menschen", sagte der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed bei der Eröffnungsfeier am Dienstag. Das Großprojekt hatte in den vergangenen Jahren für massive Spannungen zum flussabwärts gelegenen Nachbarn Ägypten gesorgt.
"Ich lade alle schwarzen Menschen ein, den Damm zu besuchen", sagte Abiy bei der Eröffnungszeremonie, an der unter anderem der kenianische Präsident William Ruto und Somalias Präsident Hassan Sheikh Mohamud teilnahmen. Der Staudamm zeige, "dass wir als schwarze Menschen alles erreichen können, was wir uns vornehmen", betonte Abiy.
Das 145 Meter hohe und 1,8 Kilometer lange Wasserkraftwerk, dessen Bau 2011 begonnen hatte, liegt am Blauen Nil nahe der sudanesischen Grenze. Es soll mit einer Speicherkapazität von 74 Milliarden Kubikmetern Wasser und einer Leistung von mehr als 5000 Megawatt die bisherige Stromerzeugung Äthiopiens verdoppeln und die Versorgung in dem ostafrikanischen Land verbessern - 45 Prozent der Bevölkerung haben bislang keinen Elektrizitätszugang. Es handelt sich um das größte Wasserkraftwerk in ganz Afrika.
Nach Einschätzung von Experten könnte der Staudamm die Wirtschaft Äthiopiens verändern, die Industrie ankurbeln und eine Umstellung auf Elektrofahrzeuge ermöglichen. Äthiopien hatte im vergangenen Jahr als erstes Land der Welt den Import von Fahrzeugen mit Verbrennermotor verboten.
Zugleich sorgt das Gerd-Projekt aber für erhebliche Spannungen mit den beiden nördlichen Nil-Anrainern Ägypten und Sudan, die ihre Wasserversorgung bedroht sehen. Die 110 Millionen Menschen im regenarmen Ägypten sind stark vom Nil abhängig. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass der Damm für sein Land eine "existentielle Bedrohung" darstelle.
Er kündigte zudem an, Ägypten werde alle im internationalen Recht vorgesehenen Maßnahmen ergreifen, um seine Wasserversorgung zu sichern. "Wer glaubt, Ägypten werde seine Wasserrechte wissentlich ignorieren, der irrt sich", sagte al-Sisi vergangenen Monat gegenüber Reportern.
Die verfahrene Situation hat regionale Rivalitäten verschärft. Ägypten hat seine Beziehungen zu Eritrea und Somalia – beides Länder, die angespannte Beziehungen zu Äthiopien unterhalten – gestärkt und arbeitet eng mit dem Sudan zusammen, der ebenfalls über den Rückgang der Wasserzufuhr besorgt ist.
Im Inland ist der Mega-Staudamm eines der wenigen Themen, über das Einigkeit herrscht. Äthiopien ist von mehreren bewaffneten Konflikten gezeichnet. Während des 2022 beendeten Bürgerkrieg in der Region Tigray waren nach Angaben der Afrikanischen Union mindestens 600.000 Menschen getötet worden.
C.Kreuzer--VB