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Massiver russischer Angriff auf die Ukraine - Kritik an Scholz' Telefonat mit Putin
Die Ukraine ist nach eigenen Angaben Ziel "eines der heftigsten Luftangriffe" Russlands seit Beginn des Krieges geworden. Dabei sei vor allem die Energie-Infrastruktur attackiert worden, teilte Außenminister Andrij Sybiha am Sonntag mit. Die Regierung im Nachbarland Polen ließ Kampfjets aufsteigen und sprach wegen der massiven Angriffe von einem Scheitern der "Telefon-Diplomatie". Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verteidigte hingegen sein kürzlich geführtes Telefonat mit Kreml-Chef Wladimir Putin.
Unzählige Raketen und Drohnen wurden allein auf die ukrainische Hauptstadt Kiew abgefeuert. Reporter der Nachrichtenagentur AFP hörten dort am frühen Morgen mehrere Explosionen. Im gesamten Land wurden nach Behördenangaben neun Menschen getötet und etwa 20 Menschen verletzt, darunter in den Gegenden von Mykolajiw, Cherson, Odessa und Lwiw. Zudem kam es zu massiven Stromausfällen, was die Angst vor dem anstehenden Winter verstärkte.
Moskau habe rund 120 Raketen und 90 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Rund 140 davon seien von der Luftabwehr abgeschossen worden. Die ukrainische Luftwaffe sprach von einer "höllischen Nacht". Nach den Worten von Außenminister Sybiha war es einer der bisher "heftigsten Luftangriffe" Russlands.
Energieminister German Galuschtschenko zufolge war wichtige Infrastruktur zur Energieerzeugung und -versorgung in der gesamten Ukraine Ziel der russischen Attacken. Nach Angaben des Energieversorgers DTEK musste in Kiew wegen der Angriffe der Strom abgeschaltet werden. Auch in den Regionen Donezk und Dnipropetrowsk im Osten, wo die russische Armee zuletzt stetige Geländegewinne gemeldet hatte, fiel der Strom aus. Ohne Energie war zudem die Schwarzmeer-Stadt Odessa.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte seinerseits, die Armee habe "wesentliche Energie-Infrastruktur, die den ukrainischen militärisch-industriellen Komplex unterstützt", angegriffen. Alle Ziele seien getroffen worden. Durch die dauerhaften russischen Angriffe wurde in der Ukraine nach Angaben von Präsident Selenskyj bereits die Hälfte der Kapazitäten zur Energieproduktion zerstört.
Die erneuten russischen Angriffe am Sonntag hatten auch Ziele im Südwesten der Ukraine zum Ziel. Unter anderem wurde die Region Transkarpatien angegriffen, die weit entfernt von der Front an der Grenze zu Polen, der Slowakei und Ungarn liegt. Die Regierung in Warschau ließ deshalb Kampfjets aufsteigen.
"Einsätze von polnischen und von alliierten Flugzeugen in unserem Luftraum haben begonnen", erklärte die polnische Armee am Sonntagmorgen. Zudem seien "alle nötigen Kräfte" zur Verteidigung des eigenen Staatsterritoriums mobilisiert worden. Grund für die Entscheidung seien "massive" russische Angriffe unter anderem auf die Westukraine "mit Marschflugkörpern, ballistischen Raketen und Drohnen".
Der polnische Regierungschef Donald Tusk erklärte später im Onlinedienst X. die massiven Angriffe zeigten, dass "Telefondiplomatie" Kreml-Chef Putin nicht stoppen könne und die Ukraine weiter "wirklich" unterstützt werden müsse.
Bundeskanzler Scholz sagte indes zu seinem umstrittenen Telefonat mit Putin, es sei wichtig, dem russischen Präsidenten klarzumachen, "dass er nicht damit rechnen darf, dass die Unterstützung Deutschlands, Europas und vieler anderer in der Welt für die Ukraine nachlassen wird". Scholz hob auch hervor: "Über die Köpfe der Ukraine hinweg wird es keine Entscheidung geben."
Der Kanzler hatte am Freitag erstmals seit fast zwei Jahren mit Putin telefoniert, dies war sowohl von Oppositionspolitikern in Deutschland als auch von der Regierung in Kiew scharf kritisiert worden.
Außenminister Sybiha bekräftigte am Sonntag nochmals die Kritik Kiews: "Das ist die wahre Antwort des Kriegsverbrechers Putin an alle, die ihn kürzlich angerufen und besucht haben", sagte er mit Blick auf die massive Angriffswelle. "Wir brauchen Frieden durch Stärke, nicht Beschwichtigung."
In der russischen Grenzregion Kursk, wo ukrainische Soldaten im Sommer einmarschiert waren, wurde nach russischen Behördenangaben eine lokale Journalistin bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. Ein Mann wurde demnach auch in der russischen Region Belgorod durch einen ukrainischen Drohnenangriff getötet.
F.Fehr--VB