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Ruf nach Verstaatlichung: Aktie von französischem IT-Dienstleister Atos stürzt ab
Die Aktie des französischen IT-Dienstleister Atos ist am Montag um mehr als zehn Prozent abgestürzt. Hintergrund sind Rufe aus der Politik, das Unternehmen unter Verweis auf die nationale Sicherheit zu verstaatlichen. Zuvor war der Vorstandsvorsitzende Bertrand Meunier wegen wachsender Kritik an seinem Vorhaben, den Konzern aufzuspalten und einen Teil an den tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky zu verkaufen, zurückgetreten.
Kretinsky, der in den vergangenen Jahren massiv in Frankreich investiert hat und dem unter anderem Anteile an Medienhäusern wie der Verlagsgruppe Le Monde gehören, will beim Atos-Konzernteil einsteigen, der unter anderem die Bereiche Cybersicherheit, Supercomputer und Cloud-Dienste umfasst. Kleinaktionäre und Politiker verschiedener Lager hatten die Pläne scharf kritisiert.
"Die Atos-Gruppe ist ein entscheidender Akteur der nationalen Souveränität und Sicherheit", erklärt der sozialistische Abgeordnete Philippe Brun in einem Parlamentsantrag. Die bisherigen Umstrukturierungspläne "bringen das Risiko eines Verlusts der Souveränität in Bereichen wie Supercomputer, Integration von Sicherheitssystemen oder Cybersicherheit mit sich". Unternehmensteile im Wert von 390 Millionen Euro sollten daher verstaatlicht werden.
Die konservativen Republikaner hatten bereits im August gefordert, Atos unter staatliche Aufsicht zu stellen, weil die Supercomputer-Sparte des Konzerns essenziell für Nukleareforschung und -abschreckung sei. Aus Konzernkreisen hieß es zuletzt, derartige Bestrebungen seien ein "rein politisches Manöver". Aus Sicht der Märkte wie auch seiner 110.000 Mitarbeiter "ist Atos ein weitgehend international ausgerichtetes Unternehmen", auch bei sogenannten sensiblen Aktivitäten.
Konzernchef Meunier trat wegen des Drucks vergangene Woche zurück. Atos erklärte daraufhin, die geplante Aufspaltung des Unternehmens sei weiterhin "die beste verfügbare Lösung". Der geplante Verkauf an Kretinsky werde aber auf "zweite Quartal 2024" verschoben.
In Deutschland ist Kretinsky vor allem als Chef des Energieunternehmens EPH bekannt, das mit der Leag den Betreiber der Lausitzer Braunkohletagebaue und -kraftwerke übernommen hatte. Er ist zudem größter Aktionär des Handelskonzerns Metro. Medienberichten zufolge will der Tscheche auch die Stahlsparte des Essener Thyssenkrupp-Konzerns übernehmen.
D.Schaer--VB