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Chinas Wirtschaft im dritten Quartal schwach - Krise im Bausektor hält an
Die chinesische Wirtschaft hat im dritten Quartal eine schwache Entwicklung hingelegt: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wuchs zwischen Juli und September um 4,9 Prozent im Jahresvergleich, wie Chinas nationale Statistikbehörde am Mittwoch mitteilte. Im zweiten Quartal hatte das BIP noch um 6,3 Prozent zugelegt. Positive Impulse kamen zuletzt vom Einzelhandel, während sich die Krise im Bausektor ausweitete.
So zogen die Umsätze im Einzelhandel im September deutlich um 5,5 Prozent an, im Vormonat August waren es noch 4,6 Prozent. Die Branche gilt als wichtigster Indikator für den Konsum der chinesischen Haushalte und als wichtige Konjunkturstütze. Mehrere freie Tage Ende September anlässlich des Nationalfeiertags am 1. Oktober kurbelten außerdem den Tourismussektor an.
Die chinesische Industrieproduktion legte im September um 4,5 Prozent zu und behielt damit ihr Niveau vom Vormonat. Die Arbeitslosigkeit ging leicht auf 5,0 Prozent zurück, nach 5,2 Prozent im August. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die im Juni einen Rekordstand von über 21 Prozent erreicht hatte, wird seitdem nicht mehr gesondert ausgewiesen.
Von der Nachrichtenagentur AFP befragte Analysten waren insgesamt pessimistischer und hatten für das dritte Quartal ein Wachstum von 4,3 Prozent erwartet. Verglichen mit dem Vorquartal wuchs die chinesische Wirtschaft zwischen Juli und September um 1,3 Prozent.
Die Wirtschaftsdaten liegen nun weiterhin unter den offiziellen Zielen der Regierung, die für dieses Jahr ein Wachstum von "rund fünf" Prozent anstrebt. Dieses Ziel dürfte mittlerweile schwierig zu erreichen sein, was die Regierung schon seit längerem unter Druck setzt, Konjunkturmaßnahmen zu veranlassen. Im vergangenen Jahr hatte die chinesische Wirtschaft das Wachstumsziel von 5,5 Prozent mit letztlich drei Prozent klar verfehlt - damals war die chinesische Wirtschaft noch stark von den Folgen der Restriktionen wegen der Corona-Krise geprägt.
Derzeit lähmt vor allem die beispiellose Krise im Immobiliensektor die Wirtschaft des Landes. Die Branche ist hochverschuldet, häufig werden Projekte nicht fertiggestellt, was Proteste, Unsicherheit und Misstrauen in den gesamten Sektor auslöst. Zwar sei insgesamt für die chinesische Wirtschaft "das Schlimmste vorüber", sagte der Analyst Larry Hu von der Investitionsbank Macquarie mit Blick auf die Erholung nach der Corona-Krise. Jedoch sei der Aufschwung von "Hindernissen" geprägt, die vom Immobiliensektor ausgingen.
Die Branche war zwei Jahrzehnte lang rasant gewachsen und machte lange ein Viertel des chinesischen BIP aus. Sie sicherte etliche Jobs und das Überleben von tausenden Firmen. Doch die finanziellen Probleme von Schwergewichten wie Evergrande und Country Garden belasten den Sektor schwer. Chinas Behörden hatten 2020 mit Beschränkungen bei der Kreditbeschaffung auf die ausufernde Verschuldung der Branche reagiert. Das führte zu Zahlungsausfällen und Projektstopps.
Der hochverschuldete Konzern Country Garden näherte sich unterdessen weiter der Zahlungsunfähigkeit. Am Mittwoch lief eine 30-tägige Gnadenfrist aus - diesmal ging es um Zahlungsverpflichtungen aus dem Ausland. Das Unternehmen kommunizierte zunächst nicht zu seiner Finanzsituation. Eine Zahlungsunfähigkeit hätte schwer überschaubare, aber wohl in jedem Fall ernste Auswirkungen auf die gesamte chinesische Wirtschaft.
A.Ruegg--VB