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Mehr als jeder zwölfte Beschäftigte ist in befristetem Arbeitsverhältnis
Trotz des anhaltenden Fachkräftemangels ist die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse in Deutschland nicht zurückgegangen. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervorgeht, hatten im vergangenen Jahr 3,24 Millionen abhängig Beschäftigte nur einen Arbeitsvertrag mit Befristung. Das entsprach 8,7 Prozent aller Beschäftigten. Damit blieb der prozentuale Anteil genauso hoch wie 2021.
Zuerst hatte die "Augsburger Allgemeine" am Donnerstag aus der Antwort zitiert. Demnach war über die Hälfte der Befristungen (58 Prozent) sachgrundlos, diese Verträge werden also nicht mit einer nachvollziehbaren Begründung geschlossen, etwa für eine Elternzeitvertretung. Das deutsche Arbeitsrecht erlaubt eine sachgrundlose Befristung bis zu 24 Monaten, kürzer laufende Verträge können bis zu dieser Höchstdauer bis zu dreimal verlängert werden.
Überdurchschnittlich von Befristungen betroffen waren 2022 Menschen ohne Bildungsabschluss (16,2 Prozent), ausländische Beschäftigte (16,6 Prozent) sowie Menschen zwischen 25 und 34 Jahren (14,1 Prozent). Die Privatwirtschaft war mit einem Anteil von 5,1 Prozent weniger stark betroffen als der Öffentliche Dienst mit 10,4 Prozent sowie der sogenannte Dritte Sektor mit 11,3 Prozent, das umschreibt etwa Stiftungen und Vereine. Bei den sozialversicherungspflichtigen Neueinstellungen waren 2022 insgesamt 30 Prozent befristet - davon nur acht Prozent mit Sachgrund.
Im Jahr 2021 waren mit 3,13 Millionen befristeten Verträgen zwar weniger Menschen befristet beschäftigt, der Anteil war aber mit 8,7 Prozent genauso hoch, wie aus den Daten weiter hervorgeht. Bei der sachgrundlosen Befristung waren es 2021 knapp 56 Prozent, im vergangenen Jahr dann 58 Prozent.
"Die anhaltend hohe Zahl der Befristungen ist alarmierend und passt so gar nicht zum beklagten Fachkräftemangel", erklärte Fraktionsvize Susanne Ferschl zu den Zahlen. "Arbeitsverträge mit Verfallsdatum sind ein gezieltes Mittel, das Arbeitsrecht zu schleifen und Beschäftigte zu disziplinieren." Die Linke forderte vor allem, die Möglichkeit zur sachgrundlosen Befristung "ersatzlos aus dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zu streichen"
L.Maurer--VB