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Welthandelsorganisation warnt vor Fragmentierung der Weltwirtschaft
Die Welthandelsorganisation (WTO) hat in ihrem Jahresbericht vor einem drohenden Zerfall der Weltwirtschaft in Blöcke gewarnt. "Die ersten Anzeichen einer Fragmentierung des Welthandels drohen Wachstum und Entwicklung zu verlangsamen", erklärte die Organisation mit Sitz in Genf am Dienstag. Die WTO-Experten sprechen sich in dem Bericht für eine "Reglobalisierung" aus, um dem vorzubeugen.
Seit der Corona-Pandemie und stärker noch seit Russlands Angriff auf die Ukraine ist immer wieder von einer möglichen "De-Globalisierung" die Rede. Mehrere Jahrzehnte lang habe die Zunahme des Welthandels das globale Wirtschaftswachstum übertroffen, sagte WTO-Chefökonom Ralph Ossa der Nachrichtenagentur AFP. Aber dieser Trend "stoppte mit der globalen Finanzkrise von 2008 bis 2009". Seitdem stagniere der Welthandel mehr oder weniger.
Die Frage sei nun, "ob wir uns auf eine Phase der De-Globalisierung zubewegen", führte Ossa aus. Geopolitische Spannungen begännen jedenfalls, die weltweiten Handelsströme zu beeinträchtigen. "Wir sind noch weit von einer De-Globalisierung entfernt, aber gleichzeitig sieht man (...) die ersten Risse im System."
Geopolitische Spannungen haben sich vor allem zwischen China und Russland auf der einen und den westlichen Staaten auf der anderen Seite aufgetan. Der WTO-Bericht hebt hervor, dass der Handel zwischen diesen Blöcken in den vergangenen Jahren vier bis sechs Prozent langsamer gewachsen ist als der Handel innerhalb der Blöcke.
"Wir stehen hier wirklich an einem Scheideweg", sagte der WTO-Forscher Victor Stolzenburg. "Entweder wir versuchen, die Globalisierung wieder anzunehmen, oder wir werden diesen Weg weitergehen, diesen Weg in Richtung Fragmentierung", sagte Stolzenburg. Nach WTO-Berechnungen würde eine Spaltung des Welthandels in zwei Blöcke die Weltwirtschaft fünf Prozent an realem Einkommen kosten. Besonders betroffen wären demnach ärmere Länder.
B.Baumann--VB