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Umfrage: Piloten in Europa oft übermüdet im Cockpit
Der europäische Pilotenverband ECA warnt vor Sicherheitsrisiken durch Müdigkeit des Cockpitpersonals: In einer Umfrage des ECA unter fast 7000 Pilotinnen und Piloten aus 31 Ländern hätten drei von vier Befragten angegeben, sie hätten in den vier Wochen vor der Befragung mindestens einen Sekundenschlaf während des Flugbetriebs erlebt. Ein Viertel berichtete sogar von fünf oder mehr Sekundenschlafsituationen, wie die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Montag mitteilte.
73 Prozent der Pilotinnen und Piloten beschwerten sich demnach, dass sie sich zwischen ihren Flugdiensten nicht ausreichend von Müdigkeit erholen konnten. Die Umfrage zeige auch "einen besorgniserregenden Trend bei der Verlängerung von Flugdienstzeiten", so die VC. In Ausnahmesituationen könne der Flugzeugkapitän per sogenanntem Kommandantenentscheid die maximal zulässige Dienstzeit der Crew an Bord verlängern, um besonderen Umständen wie zeitraubenden Umwegen aufgrund schlechten Wetters Rechnung zu tragen. Fast jeder fünfte Pilot habe diesen Entscheid in den vier Wochen vor der Umfrage zweimal oder öfter genutzt.
Die ECA-Umfrage habe "noch einmal klar vor Augen geführt, dass die Belastungen der Pilotinnen und Piloten in Spitzenzeiten oftmals über das sicherheitsverträgliche Maß hinaus gehen", erklärte VC-Präsident Stefan Herth. "Sekundenschlaf und totale Erschöpfung darf es im Cockpit nicht geben."
Vivianne Rehaag aus dem VC-Vorstand kritisierte, Sicherheitsrisiken durch Müdigkeit würden von vielen europäischen Fluggesellschaften nicht ausreichend ernst genommen. "Wir sehen ernsthafte Unzulänglichkeiten bei den Airlines für das Risikomanagement gegen Müdigkeit und Lücken bei der Überwachung durch die Aufsichtsbehörden." Fluggesellschaften aus Malta, Spanien, Irland und Großbritannien hätten in der Umfrage "durchweg" schlechtere Werte beim Müdigkeitsmanagement, bei den Ruhezeiten und beim Umgang mit Kommandantenentscheiden erzielt, berichtete die VC.
Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte laut VC erst in diesem Frühjahr vor dem Risiko einer erhöhten Müdigkeit des Flugpersonals während des Sommers gewarnt. Sie forderte demnach die Fluggesellschaften dazu auf, ausreichende Puffer einzuplanen und sich nicht darauf zu verlassen, dass ihre Piloten systematisch die maximale Flugdienstzeit verlängern.
Die ECA ließ Pilotinnen und Piloten vom 1. bis 22. Juli befragen. VC vermutet, dass sich die Zustände während der Hochsaison seit Mitte Juli noch verschlechtert haben.
D.Schneider--BTB