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Fast 70 Prozent der Mütter sind erwerbstätig - Bei Vätern sind es 92 Prozent
Fast 70 Prozent der Mütter minderjähriger Kinder sind im vergangenen Jahr erwerbstätig gewesen. Die genaue Quote lag bei 69 Prozent und damit rund neun Prozentpunkte höher als noch 2005, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Bei den Vätern gab es im selben Zeitraum einen geringeren Anstieg um vier Prozentpunkte auf 92 Prozent.
Besonders groß sind die Unterschiede nach Angaben der Statistiker bei Müttern und Vätern jüngerer Kinder: Ist das jüngste Kind im Haushalt weniger als ein Jahr alt, so war 2022 jede achte Mutter (13 Prozent) erwerbstätig, bei den Vätern waren es 87 Prozent. Bei Kindern im Alter von zwei bis unter drei Jahren waren 64 Prozent der Mütter und 92 Prozent der Väter erwerbstätig. Bei den Müttern stieg die Erwerbstätigkeit mit zunehmenden Alter des jüngsten Kindes deutlich stärker an als bei den Vätern.
Mütter gehen im Vergleich zu 2005 deutlich häufiger arbeiten, auch wenn sie jüngere Kinder haben. "Es liegt nahe, dass der Ausbau der Kinderbetreuung zu dieser Entwicklung beigetragen hat", erklärte das Statistikamt. Auch die Erwerbstätigenquote bei Vätern kleiner Kinder stieg, obwohl diese durch das 2007 eingeführte Elterngeld stärker in die Kinderbetreuung einbezogen werden sollten.
Bei zwei Dritteln gemischtgeschlechtlicher Paare mit minderjährigen Kindern waren 2022 beide Eltern erwerbstätig - bei 65 Prozent dieser Paare arbeitete die Mutter in Teilzeit. Bei lediglich zwei Prozent der erwerbstätigen Elternpaare arbeitete die Mutter in Vollzeit und der Vater in Teilzeit.
Die "sehr ungleich Verteilung" der Erwerbsarbeit zwischen Vätern und Müttern sei das Spiegelbild einer "sehr ungleichen Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit", wie Bettina Kohlrausch erklärte, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts der Hans-Böckler-Stiftung. Die Zahlen zeigten auch, dass" die Betreuung von Kindern mit einer Vollzeiterwerbstätigkeit beider Eltern schwer vereinbar ist". Den Preis dafür zahlten aktuell die Mütter.
Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass Frauen in erwerbstätigen Paarbeziehungen weitaus mehr Zeit für die Arbeit im Haushalt und die Sorgearbeit aufbringen als Männer. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich überwiegend die Frau darum kümmert und sich dafür verantwortlich fühlt, dass private Aufgaben erledigt und Termine gehalten werden, liegt demnach bei 62 Prozent - die Wahrscheinlichkeit, dass vor allem der Mann übernimmt, bei 20 Prozent. Leben Kinder im Haushalt, ist die Diskrepanz laut Studie noch größer.
W.Lapointe--BTB