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Gesamtinflation flaut ab - Lebensmittel verteuern sich aber weiter massiv
Ein Jahr nach dem russischen Angriff auf die Ukraine ist die Inflation in Deutschland merklich abgeflaut, besonders Lebensmittel haben sich im März jedoch weiter massiv verteuert. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden schätzte den Anstieg der Verbraucherpreise im Jahresvergleich am Donnerstag auf 7,4 Prozent. Im Februar hatte er noch 8,7 Prozent betragen. Ökonomen sind sich uneins, ob dies den Beginn einer Normalisierung der Inflationsraten markiert.
Wie das Statistikamt im Detail mitteilte, stiegen die Preise für Nahrungsmittel im März wie bereits im Februar überdurchschnittlich stark. Im Februar hatte der Anstieg im Jahresvergleich 21,8 Prozent betragen, für März gehen die Statistiker sogar von 22,3 Prozent aus.
Bei den Energiepreisen verringerte sich der Anstieg hingegen deutlich. Im Februar lag er im Vergleich zum Vorjahresmonat noch bei 19,1 Prozent, nun nur noch bei 3,5 Prozent. Grund ist zum einen, dass die Energiepreise bereits im Vergleichsmonat März 2022 wegen des Ukraine-Kriegs sprunghaft angestiegen waren. Außerdem sinken die Preise im Großhandel seit einiger Zeit und es greifen die staatlichen Gas- und Strompreisbremsen.
Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, sieht im Rückgang der Inflation einen "ersten Schritt eines nachhaltigen Abwärtstrends bei den Teuerungsraten in Deutschland". Denn viele Preissteigerungen seien indirekte Effekte der sprunghaft gestiegenen Energiepreise. Nach Abklingen der Energieinflation "ist nun mit einem weiteren, kontinuierlichen Rückgang der Inflationsraten zu rechnen".
Der ING-Analyst Carsten Brzeski widersprach: "Hat der Desinflationsprozess begonnen? Wir denken nicht." Die Weitergabe der hohen Kosten sei nach wie vor in vollem Gange. "Steigende Gewinnspannen und Lohnerhöhungen befeuern auch den zugrunde liegenden Inflationsdruck, nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamten Eurozone", erklärte er.
In anderen EU-Ländern ist die Inflation allerdings noch stärker rückläufig als in Deutschland. Das spanische Statistikamt INE schätzte die Inflation im März in Spanien am Donnerstag auf lediglich 3,1 Prozent, ausgedrückt im international vergleichbaren harmonisierten Verbraucherpreisindex. Das Statistische Bundesamt gibt diesen Index in seiner ersten Schätzung mit 7,8 Prozent an.
J.Bergmann--BTB