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SID-Aufwärmrunde: Vier Kernpunkte für das Rennen in Montréal
Wenn der Spannungsaufbau in Montréal irgendetwas aussagt, dann dürfte es ein interessanter Rennsonntag werden. Die Konkurrenz kam den Mercedes im Laufe des Wochenendes immer näher, bei den Silberpfeilen wurde es indes ruppig zwischen George Russell und Kimi Antonelli, nun starten beide nebeneinander aus der ersten Startreihe. Garniert wird das ganze durch einen Wetterumschwung in Kanada, kalt und regnerisch soll es zum Rennen am Abend deutscher Zeit (22.00 Uhr MESZ/Sky) werden. Ein Ausblick auf den fünften Grand Prix des Jahres.
SILBERNES KNIRSCHEN: War das schon der Beginn einer echten Stallfehde? Antonelli bekam sich nach zwei Beinahe-Unfällen mit Russell im Sprint gar nicht mehr ein, "fahren wir jetzt so Rennen?!", rief er in den Funk, "gut zu wissen!" Teamchef Toto Wolff schritt mit strenger Stimme ein, später, darauf legten alle drei Wert, habe es aber ein fruchtbares Gespräch gegeben. Am Sonntag starten allerdings beide schon wieder nebeneinander. Die Saison nimmt jetzt eindeutig an Fahrt auf, der Titelkampf hat begonnen. Und Antonelli, der stets so freundlich und schüchtern wirkt, verbirgt seinen großen Ehrgeiz auf der Strecke mittlerweile nicht mehr - ohne diese Eigenschaft würde er mit 19 Jahren wohl keinen WM-fähigen Mercedes in der Formel 1 steuern.
PROFITEURE: Der Weltmeister saß schon nach dem Sprint grinsend mit den Mercedes-Rivalen auf der Interview-Couch. Lando Norris ist einer von denen, die von einer silbernen Eskalation einen sehr direkten Vorteil hätten, und glaubt man dem McLaren-Piloten, dann ist sie sowieso kaum zu verhindern. "Jeder kämpft für seine eigene Karriere, jeder will der beste Fahrer der Welt sein", sagte Norris. Der Engländer startet von Rang drei und hat besten Blick auf das Duell. Dahinter warten Oscar Piastri, Lewis Hamilton und Max Verstappen auf die nächste Eskalationsstufe.
NAH DRAN: Nico Hülkenberg hatte am Samstagabend eine Idee. "Ich muss mit Sergio Perez reden, ich brauche seine Startnummer", sagte er bei Sky. Denn der Mexikaner trägt die 11 auf seinem Cadillac, aber die würde doch viel besser zu Hülkenbergs Audi passen: "Ich bin jetzt Mister 11." Denn schon wieder steht der Deutsche auf diesem Platz, das hat mittlerweile Tradition im Jahr 2026: In Qualifying und Sprint-Quali war es fünfmal der Fall, in den Rennen auch schon zweimal. Das zeigt immerhin, dass Hülkenberg oft recht nah dran ist an den interessanten Plätzen - leider hat er es weiterhin nicht in Zählbares verwandelt. Montréal bringt jetzt die nächste Chance auf die ersten Punkte mit Audi.
WETTER-CHAOS?: Am Samstag gab die FIA eine Regenwarnung heraus, aber jeder, der den Wetterbericht lesen kann, wusste sowieso schon Bescheid: Für Sonntag ist ein heftiger Temperatursturz auf etwa 12 Grad angesagt, und auch Niederschlag ist sehr wahrscheinlich. In Miami zuletzt blieb es trotz Regenankündigung trocken, aber haben die Fahrer noch mal so viel Glück? Sie mussten ihre neuen Autos noch nie unter Wettbewerbsbedingungen im Nassen steuern, aber sie trauen den Boliden nicht so recht über den Weg. Zum einen könnten der neue Elektroschub und das seit diesem Jahr geringere Downforce-Level für eine Rutschpartie sorgen. Zum anderen wurde ein neuer Typ Regenreifen eingeführt, die noch nie in Gebrauch waren - denen unter den Fahrern aber ein sehr schlechter Ruf vorauseilt. "Spannend", sagt Weltmeister Norris, "das könnte Chaos geben". Das Ergebnis wäre dann noch deutlich schwerer vorauszusagen.
M.Schneider--VB