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Nato-Luftabwehrwaffen für die Ukraine lassen teils auf sich warten
Angesichts der jüngsten russischen Luftangriffe auf die Ukraine hat Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Verbündeten zur schnellen Lieferung weiterer Abwehrwaffen gedrängt. Für die Ukraine sei Eile geboten, um sich "gegen die schrecklichen russischen Angriffe auf die Zivilbevölkerung zu verteidigen", sagte Stoltenberg beim Nato-Verteidigungsministertreffen in Brüssel. Deutschland und die USA müssen die meisten ihrer zugesagten Systeme allerdings erst noch herstellen.
Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bestätigte in Brüssel, dass Deutschland ein erstes Luftabwehrsystem vom Typ Iris-T SLM an die Ukraine geliefert hat. Drei weitere dieser Systeme, über welche die Bundeswehr nicht verfügt, sollen dann im kommenden Jahr folgen.
"Wir tun alles, damit es so schnell wie möglich geht", sagte Lambrecht. Solche "hochkomplexen, hochmodernen Systeme" wie Iris-T SLM seien aber aufwändig herzustellen. "Da bin ich auf die Industrie angewiesen, dass dort auch ein bisschen schneller produziert wird", sagte sie mit Blick auf den Hersteller Diehl Defense vom Bodensee.
Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow hatte bei Ankunft der deutschen Waffen am Dienstagabend von einer "neuen Ära der Luftabwehr" gesprochen. Nach Angaben von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kann Iris-T SLM helfen, "eine ganze Großstadt vor russischen Luftangriffen" zu schützen.
Die USA wollen darüber hinaus acht moderne Luftverteidigungssysteme vom Typ Nasams an die Ukraine liefern. Zwei erste sollen in den kommenden Wochen in dem Land eintreffen. Sechs weitere müssen jedoch ebenfalls erst produziert werden. Nach US-Angaben erwägt Washington deshalb, in der Zwischenzeit Hawk-Systeme aus der Zeit des Kalten Krieges in die Ukraine zu schicken.
Nötig sind nach Angaben Stoltenbergs verschiedene Arten von Luftverteidigungssystemen. Es gehe um die Abwehr russischer Kurz- wie Langstreckenraketen, ballistischer Raketen, Marschflugkörper und Drohnen, sagte der Norweger.
US-Pentagonchef Lloyd Austin verurteilte in Brüssel die jüngsten russischen Luftangriffe auf zivile Ziele, unter anderem in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. "Das hat unsere Entschlossenheit und Zuverlässigkeit nur gestärkt", betonte er bei einem Treffen der sogenannten Ukraine-Kontaktgruppe, der rund 50 Staaten und Organisationen angehören. Kanada sagte bei dem Treffen Winterkleidung und weitere Ausrüstung für die ukrainische Armee im Wert von 15 Millionen Dollar zu (rund zwölf Millionen Euro).
Von dem Brüsseler Treffen soll auch ein Zeichen der Geschlossenheit angesichts der Atomwaffen-Drohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ausgehen. Zudem beraten die Nato-Verteidigungsminister über Möglichkeiten, die eigenen Rüstungsbestände über eine beschleunigte Produktion wieder aufzufüllen. Geprüft wird laut Diplomaten zudem ein Nato-Gipfel im Videoformat.
In der kommenden Woche beginnt das Bündnis nach Stoltenbergs Angaben mit seinem jährlichen Atomwaffen-Manöver "Steadfast Noon". Daran nimmt nach unbestätigten Angaben auch die deutsche Luftwaffe teil. Die USA sollen unter anderem auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz Atomsprengköpfe lagern.
"Es ist ganz wichtig, dass solche Übungen stattfinden können", sagte Lambrecht. Sie sprach wie Stoltenberg von einer bereits länger geplanten "Routineübung".
Y.Bouchard--BTB