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Luftkampfsystem FCAS auf der Kippe: Merz stellt Projekt in Frage
Das geplante deutsch-französische Luftkampfsystem FCAS steht auf der Kippe: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte das 100-Milliarden-Euro-Projekt erstmals offen in Frage. In dem am Mittwoch veröffentlichten Podcast "Machtwechsel" verwies Merz auf die unterschiedlichen Anforderungen an ein Kampfjet der neuen Generation in Frankreich und Deutschland. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekräftigte seinerseits sein Festhalten an dem Vorhaben.
Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. Zu diesem Luftkampfsystem der Zukunft sollen auch Drohnen und neuartige Kommunikationssysteme gehören. Es soll ab den 2040er Jahren das Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung bilden. Ein anvisiertes Kampfflugzeug der sechsten Generation soll mit Tarnkappentechnik ausgestattet sein.
Allerdings hat die französische Luftwaffe andere Anforderungen an ein solches Kampfflugzeug als die deutsche. So sollen französische Jets auch auf einem Flugzeugträger landen oder Atomwaffen tragen können. Die deutsche Luftwaffe braucht hingegen eher ein schnelles Jagdflugzeug.
Merz sprach in dem Podcast "Machtwechsel" von einem "echten Problem im Anforderungsprofil". Er fügte hinzu: "Wenn wir das nicht lösen können, dann können wir das Projekt nicht aufrechterhalten." Es stelle sich die Frage, "haben wir die Kraft und den Willen, für diese beiden unterschiedlichen objektiven Anforderungsprofile zwei Flugzeuge zu bauen oder nur eins?" Paris wolle nur ein Flugzeug bauen, das auf seine Bedürfnisse ausgerichtet ist. Das sei jedoch nicht das, was die deutsche Seite brauche, betonte der Kanzler.
Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte in Berlin zur Zukunft des FCAS-Projekts: "Unser Szenario ist nicht, dass wir jetzt diese Partnerschaft auflösen, sondern dass wir sie erhalten." Über die Umstände werde derzeit verhandelt. "Und wir warten jetzt auf eine französische Entscheidung, ob sie eine Zukunft in dieser Kooperation sehen, so wie sie zu Beginn der Partnerschaft verabredet wurde."
Nach den bisherigen Vereinbarungen sollen sich Frankreich, Deutschland und Spanien jeweils zu einem Drittel an der Entwicklung von FCAS beteiligen. Die beteiligten Unternehmen streiten jedoch seit langem über Zuständigkeiten und Führungsansprüche. Paris und Berlin schieben eine Entscheidung über die Zukunft des Projekts deshalb seit Monaten vor sich her.
Eigentlich hätte 2026 die zweite Phase des Vorhabens beginnen sollen, um bis 2029 ein flugfähiges Modell zu entwickeln. "Da warten wir jetzt auf die Entscheidung, die auch von französischer Seite zugesagt wurde, in naher Zeit bis zum Ende des Monats", sagte Kornelius.
Macron ließ unterdessen am Rande eines Indien-Besuchs erklären, er bleibe "dem Erfolg des Projekts verpflichtet". "Angesichts der strategischen Bedeutung für Europa wäre es unverständlich, wenn industrielle Differenzen nicht überwunden werden könnten", hieß es. Der militärische Bedarf der beteiligten Staaten habe sich nicht verändert, "und dazu zählte von Anfang an auch Frankreichs nukleare Abschreckung".
Kanzler Merz ist nach eigenen Worten mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im Gespräch über die grundsätzliche Frage, ob Deutschland in zwanzig Jahren überhaupt noch ein bemanntes Kampfflugzeug brauche. Falls ja, werde Berlin Partner suchen. Ein politisches Zerwürfnis mit Frankreich sehe er nicht.
Aus französischen Regierungskreisen hieß es, dass der Bau eines Kampfflugzeugs ohne die französische Expertise kaum möglich sei. "Viel Erfolg, wenn sie das allein machen wollen."
F.Fehr--VB