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Angesichts anhaltender russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz die westlichen Verbündeten zu rascheren Waffenlieferungen aufgefordert. "Manchmal gelingt es uns, neue Raketen für unsere Patriots oder Nasams erst kurz vor einem Angriff und manchmal sogar nur im allerletzten Moment bereitzustellen", sagte er am Samstag unter Verweis auf zwei von Deutschland und Norwegen gelieferte Luftabwehrsysteme. Bei erneuten nächtlichen Angriffen wurden unterdessen im Süden der Ukraine mindestens zwei Menschen getötet.
Selenskyj bedauerte in seiner Rede in München, dass sich die Waffen schneller entwickelten als die politischen Bemühungen zur Beendigung der russischen Invasion. "Waffen entwickeln sich schneller als politische Entscheidungen, die sie stoppen sollten", sagte der ukrainische Präsident. So seien die von Russland genutzten iranischen Schahed-Drohnen im Verlauf des bald vier Jahre dauernden Krieges in ihrer Wirkung immer folgenschwerer geworden.
Der ukrainische Staatschef verwies in seiner Rede auch auf die Schäden, welche die fortgesetzten russischen Angriffe an der Energieinfrastruktur seines Landes anrichten. "Die meisten Angriffe zielen auf unsere Kraftwerke und andere wichtige Infrastrukturen ab, und es gibt kein einziges Kraftwerk in der Ukraine mehr, das nicht durch die russischen Angriffe beschädigt wurde", sagte Selenskyj.
Russland richtet seit Monaten massive Angriffe gegen die ukrainische Energieinfrastruktur. Hunderttausende Menschen waren bei Temperaturen von um die minus 20 Grad Celsius ohne Strom und Heizung. In Kiew können derzeit auch mehr als 30 Prozent der Schulen und Kindergärten nicht heizen, wie die Behörden am Freitag mitteilten. Es ist der bisher kälteste Winter in der Ukraine seit Kriegsbeginn vor vier Jahren.
Mit scharfen Worten wandte sich Selenskyj gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin. "Niemand in der Ukraine glaubt, dass (Putin) unser Volk jemals gehen lassen wird, aber er wird auch andere europäische Nationen nicht gehen lassen, weil er sich nicht von der Idee des Krieges lösen kann. Er mag sich selbst als Zar sehen, aber in Wahrheit ist er ein Sklave des Krieges", sagte Selenskyj.
US-Außenminister Marco Rubio sagte am Samstagmorgen in München, er sei nicht sicher, ob Russland ernsthaft an einem Ende des Krieges gegen die Ukraine interessiert sei. "Wir wissen nicht, ob die Russen es ernst meinen mit der Beendigung des Krieges."
Trotz des Drängens der USA auf ein Ende der Kämpfe in der Ukraine ist bislang kein diplomatischer Durchbruch in Sicht. Vertreter Russlands, der Ukraine und der USA führen nach Angaben des Kreml am kommenden Dienstag und Mittwoch in Genf weitere Gespräche über ein Ende des Krieges. Zwei vorherige Gesprächsrunden unter Vermittlung der USA in Abu Dhabi hatten kein Ergebnis gebracht.
Unterdessen griff die russische Armee in der Nacht zum Samstag erneut zahlreiche Angriffe auf die Ukraine aus. In der Schwarzmeer-Hafenstadt Odessa starb nach Angaben von Regionalgouverneur Oleh Kiper eine Frau, nachdem ihr Wohngebäude durch eine russische Drohne in Brand gesetzt worden war.
In der weiter nordöstlich gelegenen Region Saporischschja wurde nach Angaben des örtlichen Militärchefs Ivan Fedorow mindestens ein Mensch getötet und drei weitere verletzt. Die russischen "Invasoren" hätten binnen 24 Stunden 655 Angriffe auf 41 Siedlungen ausgeführt. Die Angriffe richteten sich demnach gegen die Regionalhauptstadt Saporischschja und den Eisenbahnknotenpunkt Polohy.
C.Kreuzer--VB