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Hunderte Menschen demonstrieren gegen Kahlschlag bei der "Washington Post"
Hunderte Menschen haben am Donnerstag vor dem Gebäude der "Washington Post" in der US-Hauptstadt gegen die Entlassung zahlreicher Journalisten der traditionsreichen US-Zeitung protestiert. "Demokratie stirbt in der Finsternis. Und Sie, Jeff Bezos, haben das Licht ausgeschaltet", stand auf einem der Plakate bei der Demonstration mit Blick auf den Amazon-Gründer und milliardenschweren Eigentümer der Zeitung.
Mehrere entlassene Mitarbeiter, die an der Protestaktion teilnahmen, verurteilten die Personalkürzungen. In einer Zeit "beispielloser Angriffe auf die Presse" sei es "gefährlich, Personal auf diese Weise abzubauen", sagte Michael Brice-Saddler, der für die Post aus der US-Hauptstadt berichtet hatte. "Diese Kürzungen sind nicht die Schuld unserer Belegschaft, und doch sind sie es, die die Hauptlast der Kosten tragen", klagte Brice-Saddler.
Am Mittwoch war ein Kahlschlag bei der "Washington Post" bekannt gegeben worden. Der US-Sender NBC berichtete, rund ein Drittel der Belegschaft der Zeitung müsse gehen. Nach Angaben der "New York Times" sind 300 Mitarbeiter betroffen.
Nach AFP-Informationen müssen die meisten Auslandskorrespondenten der Zeitung gehen. Betroffen ist unter anderem die Ukraine-Berichterstatterin Lizzie Johnson. Auch die Berichterstattung über den Nahen Osten werde drastisch eingeschränkt, sagte ein Korrespondent, der nicht namentlich genannt werden wollte. Die Lokalnachrichten der "Washington Post", die Sportseiten sowie die Buchbeilage sind ebenfalls massiv betroffen, wie aus der Redaktion verlautete.
Das volle Ausmaß des Kahlschlags ist der entlassenen Investigativreporterin Marissa J. Lang zufolge noch nicht absehbar. "Die Auswirkungen, 300 Journalistinnen und Journalisten zu verlieren, die Machthaber zur Rechenschaft ziehen, Korruption aufdecken, Ihnen sagen, was in Kriegsgebieten im Ausland geschieht, und ob die Schulen Ihrer Kinder wegen Schneefalls öffnen, sind nicht zu beziffern", sagte Lang.
Die Tageszeitung, die 1972 den Watergate-Skandal unter Präsident Richard Nixon aufdeckte und deren Reporter zahlreiche Pulitzer-Preise erhielten, schreibt laut Medienberichten seit Jahren rote Zahlen. Ein Grund sind Abo-Kündigungen im Zusammenhang mit Bezos' Zuwendung zu US-Präsident Donald Trump.
Der Amazon-Gründer hatte mit zahlreichen anderen Tech-Milliardären vor gut einem Jahr an Trumps erneuter Amtseinführung teilgenommen. Zudem finanzierte er den soeben angelaufenen Dokumentarfilm "Melania" über die First Lady mit der hohen Summe von 75 Millionen Dollar. Dies löste eine Debatte darüber aus, ob sich Amazon die Gunst Trumps erkaufen wollte.
Unter Bezos hatte die "Washington Post" bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 entgegen ihrer Tradition darauf verzichtet, die demokratische Bewerberin Kamala Harris mit einem Leitartikel zu unterstützen. Im Jahr 2024 sorgte zudem eine erste Umstrukturierung der Redaktion für Unruhe. Viele Journalisten wechselten daraufhin zu anderen Medien.
A.Zbinden--VB