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Ex-Außenminister Joschka Fischer plädiert für atomare Aufrüstung Europas
Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hat sich für eine europäische Atombombe ausgesprochen. "Europa muss das machen, denn die amerikanische Schutzgarantie ist ab sofort ungewiss", sagte Fischer dem "Tagesspiegel" (Donnerstag). Eine rein nationale atomare Bewaffnung Deutschlands lehnte er ab.
Eine der wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte sei für ihn, "dass Deutschland zwar in der Verantwortung steht, eine Führungsrolle in Europa zu übernehmen, aber immer gemeinsam mit den anderen", sagte der Ex-Außenminister. Die Aufrüstung sei allerdings notwendig. Es sei nur durch Stärke und Abschreckung möglich, einen "aggressionsbereiten Nachbarn" von einem Überfall abzuhalten. "Zu lange sind wir der Illusion vom angeblich ewigen Frieden in Europa aufgesessen", sagte Fischer.
Wäre er heute jung, würde er Wehrdienst leisten, erklärte Fischer. "Die Zeit ist eine andere", sagte er. "Wir werden bedroht. Wir müssen uns verteidigen."
Unterdessen wurden die Rufe von Experten nach einer deutschen Atombombe lauter. "Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates", sagte der Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, Harald Biermann, der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen", forderte er. Es gehe um die Existenz der Bundesrepublik Deutschland. Auch Joachim Krause, der lange am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel lehrte, forderte ein Nachdenken über "den Schutz Deutschlands durch eigene oder europäische Atomwaffen".
Die Entwicklung deutscher Atombomben ist dabei Fachkreisen zufolge kein Hindernis. Laut Rainer Moormann, der als Chemiker mehr als drei Jahrzehnte am Forschungszentrum Jülich zur Nukleartechnik forschte, wäre Deutschland "innerhalb von drei Jahren in der Lage, eine Atombombe zu bauen".
F.Fehr--VB