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Russland setzt Oreschnik-Rakete in Ukraine ein: Scharfer Protest des Westens
Die russischen Streitkräfte haben bei massiven nächtlichen Angriffen auf die Ukraine zum zweiten Mal die moderne Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt und damit empörte Reaktionen im Westen ausgelöst. Der Abschuss sei "eskalierend und inakzeptabel", erklärte eine Sprecherin des britischen Premierministers Keir Starmer nach dessen Telefonat mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Freitag. Nach Angaben des ukrainischen Inlandsgeheimdiensts SBU wurde die Rakete auf die westliche Stadt Lwiw nahe der Grenze zur EU abgefeuert.
In der Nacht zum Freitag hätten die russischen Streitkräfte mit Hilfe der Rakete Oreschnik "strategische Ziele" in der Ukraine angegriffen, gab zuvor das Verteidigungsministerium in Moskau bekannt. Die Angriffe galten demnach ukrainischen Drohnen-Produktionsstätten und Energie-Infrastruktur. Sie seien "als Reaktion auf den Terroranschlag des Kiewer Regimes" auf eine Residenz von Kreml-Chef Wladimir Putin Ende Dezember erfolgt - ein Vorwurf, den die Ukraine als "Lüge" zurückgewiesen hat.
Der britische Premierminister Starmer bezeichnete die Begründung Moskaus für den Einsatz der Rakete als wenig überraschend. Es sei erwartbar gewesen, dass Moskau "erfundene Vorwürfe" benutzen würde, um den Angriff zu rechtfertigen, sagte Starmer laut seiner Sprecherin. Die Bundesregierung verurteilte ihrerseits den Angriff "aufs Schärfste".
Ukrainischen Angaben zufolge traf die ballistische Rakete, die mit einer Geschwindigkeit von "13.000 Kilometern pro Stunde" flog, eine Infrastruktureinrichtung nahe der Stadt Lwiw. Mit dem Angriff auf zivile Ziele nahe der EU-Grenze "versucht der Kreml, die lebenswichtige Infrastruktur der Region inmitten sich drastisch verschlechternder Wetterbedingungen zu zerstören", erklärte der SBU. Zudem veröffentlichte der Inlandsgeheimdienst Bilder von Raketentrümmern, darunter Triebwerkteile, Düsen und die Lenkeinheit.
Die Oreschnik ist eine atomwaffenfähige russische Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometer Entfernung erreichen kann. Laut Präsident Wladimir Putin ist es "unmöglich" für moderne Luftabwehrsysteme, die Rakete abzufangen. Die Rakete könne mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegen, sei jedoch nicht in gleicher Weise lenkfähig wie typische Hyperschallraketen, erklärten Militärexperten.
Die neuartige Rakete wurde erstmals im November 2024 - ohne nukleare Ladung - gegen eine Rüstungsfabrik in Dnipro im Zentrum der Ukraine eingesetzt. Im August kündigte Putin die Serienproduktion von Oreschnik-Raketen an, die mit einem atomaren Sprengkopf bestückt werden können. Mitte Dezember wurde die Rakete im mit Russland verbündeten Belarus stationiert, wie der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko damals mitteilte.
In der ukrainischen Hauptstadt fiel derweil in tausenden Wohnhäusern infolge der Angriffe die Heizung aus. Etwa 6000 Wohnblöcke seien betroffen, erklärte Bürgermeister Vitali Klitschko. In einem außergewöhnlichen Appell rief er die betroffenen Bürger auf, die Stadt nach Möglichkeit vorübergehend zu verlassen.
Nach Angaben der ukrainischen Armee feuerte die russische Armee in der Nacht zum Freitag 36 Raketen und 242 Drohnen verschiedener Bauarten auf die Ukraine ab. Der Luftabwehr sei es gelungen, 18 Raketen und 226 Drohnen abzufangen. Die Behörden meldeten mindestens vier Todesopfer und 24 Verletzte.
Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wurden durch die Angriffe in Kiew 20 Wohnhäuser beschädigt. Eine russische Drohne habe außerdem am Gebäude der katarischen Botschaft Schaden angerichtet. Selenskyj forderte eine entschlossene Reaktion der Verbündeten seines Landes. "Eine klare Reaktion der Welt ist nötig", erklärte er in Online-Netzwerken. "Vor allem von den USA, deren Signalen Russland wirklich Beachtung schenkt."
Die verstärkten Angriffe Russlands erfolgten wenige Tage nachdem sich die Verbündeten der Ukraine im Beisein von US-Gesandten in Paris auf Sicherheitsgarantien für das Land für den Fall eines Waffenstillstands geeinigt hatten. Russland warnte den Westen daraufhin vor der Stationierung ausländischer Soldaten in der Ukraine. Seit Monaten laufen intensive diplomatische Bemühungen zur Beendigung des seit vier Jahren andauernden Krieges, bislang allerdings ohne Erfolg.
P.Keller--VB