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NGO: "Hunderte" Tote und Verletzte bei Angriff auf Entzugsklinik in Kabul
Eine westliche Nichtregierungsorganisation hat bestätigt, dass bei dem pakistanischen Angriff auf das afghanische Kabul "hunderte" Menschen in einer Drogenentzugsklinik getötet und verletzt worden seien. Der Norwegische Flüchtlingsrat (NRC) schickte nach dem Angriff von Montagabend Mitarbeiter vor Ort, um zu überprüfen, "wie die Realität vor Ort" aussehe, wie NRC-Landesdirektor Jacopo Caridi der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. Es war die erste Bestätigung von unabhängiger Seite, nachdem die Taliban-Regierung von etwa 400 Toten gesprochen hatte.
"Nach dem, was wir gesehen und nachdem wir mit anderen (am Rettungseinsatz) Beteiligten besprochen haben, können wir sagen, dass es Hunderte von Toten und Verletzten gab", sagte Caridi der AFP. Er bestätigte, dass die Entzugsklinik in Kabul durch einen Angriff getroffen worden sei. Manche Gebäude seien "vollständig niedergebrannt und zerstört" worden. Die Szenen vor Ort seien "schrecklich" gewesen. Die Einrichtung, die für rund 2000 Patienten ausgelegt gewesen sei, sei "sehr schwer beschädigt" worden.
Eine Identifizierung der Opfer und die Angabe einer abschließenden Opferzahl werde sich schwierig gestalten, teilte Caridi mit. Er beschrieb den Einsatz in den Trümmern des getroffenen Gebäudes als "schockierend". Er habe "einen Finger an einer Stellet, einen Fuß an einer anderen, eine Hand an einer weiteren Stelle" gesehen.
Das Taliban-Innenministerium hatte die Zahl der Todesopfer am Dienstag mit 408 angegeben, 265 weitere Menschen wurden demnach verletzt. In der Klinik waren Drogensüchtige aus dem ganzen Land behandelt worden.
In Kabul liefen derweil Vorbereitungen für eine Beisetzung der Toten in einem Massengrab. AFP-Journalisten beobachteten, wie ein Bagger mit Aushubarbeiten beschäftigt war.
Die Taliban warfen Pakistan vor, die Klinik gezielt angegriffen und damit gegen die Genfer Konventionen und das Völkerrecht verstoßen zu haben. Pakistan wies den Vorwurf zurück. Ein Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros forderte eine rasche und unabhängige Untersuchung des Vorfalls.
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan war Ende Februar erneut eskaliert. Islamabad wirft Kabul vor, bewaffneten extremistischen Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die immer wieder Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist das zurück. Die beiden Nachbarländer vereinbarten unter Vermittlung Katars und der Türkei zwar eine Waffenruhe, konnten sich aber in mehreren folgenden Verhandlungsrunden nicht auf eine dauerhafte Vereinbarung einigen. Es kam immer wieder zu Gefechten an der Grenze.
L.Meier--VB