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EU-Einigung: Arznei-Beipackzettel künftig auch per QR-Code
Beipackzettel für Medikamente sollen in der EU künftig auch digital verfügbar sein. Vertreter aus dem Europaparlament und dem Rat der 27 EU-Länder einigten sich am frühen Donnerstagmorgen darauf, dass Hersteller die Hinweise zur Anwendung und zu Nebenwirkungen in Zukunft etwa über einen QR-Code auf der Packung hinterlegen müssen. Den Beipackzettel auf Papier soll es erst einmal weiter geben.
Die digitalen Informationen seien gerade für ältere Menschen sogar von Vorteil, betonte der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese. "Den Beipackzettel aus Papier können viele wegen der kleinen Schrift gar nicht lesen", erklärte er nach Abschluss der Verhandlungen. "Wenn man einen elektronischen Beipackzettel hat, kann man sich die Schrift vergrößern und sich sogar den Beipackzettel vorlesen lassen."
Die EU überlässt es ihren Mitgliedstaaten, ob sie in Zukunft nur noch einen digitalen Beipackzettel vorschreiben wollen. In so einem Fall könnte der Papierzettel in der Packung wegfallen, Patientinnen und Patienten könnten sich in der Apotheke aber kostenlos eine Papierversion mitgeben lassen. In Deutschland gibt es derzeit aber ohnehin keine Pläne, die Pflicht für einen Papierzettel abzuschaffen.
Die Regelung zum Beipackzettel ist Teil einer größeren Reform der europäischen Arzneimittelgesetze. Die EU will unter anderem dafür sorgen, dass genügend wirksame Antibiotika auf dem Markt sind. Das Problem: Werden Antibiotika zu häufig verabreicht, gewöhnen sich die Bakterien daran und entwickeln Resistenzen. Antibiotika sollen deshalb in Zukunft einen entsprechenden Hinweis tragen.
Für Pharmakonzerne lohnt sich die Entwicklung neuer Antibiotika außerdem kaum, weil ihre Anwendung so strengen Regeln unterliegt und die Prüfverfahren teuer sind. Die EU will deshalb einen Anreiz schaffen: Entwickelt ein Unternehmen ein neues Antibiotikum, kann es im Gegenzug den Patentschutz eines anderen hauseigenen Medikaments um ein Jahr verlängern.
Die EU will außerdem Arzneimittel-Engpässen vorbeugen. Die Hersteller sollen sich deshalb bei den Behörden melden, sechs Monate bevor ein Lieferstopp droht. "Das gibt Behörden und Gesundheitssystemen endlich den notwendigen Handlungsspielraum, um Engpässe wirksam zu verhindern", erklärte der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken.
R.Flueckiger--VB