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Zehntausende bei Konzert von umstrittenem US-Rapper Kanye West in den Niederlanden
Trotz wiederholter antisemitischer Äußerungen von Kanye West haben etwa 40.000 Menschen ein Konzert des US-Rappers im niederländischen Arnheim besucht. Vor dem Gelredome-Stadion sagten Fans am Samstagabend, sie unterschieden zwischen der Musik des 48-Jährigen und seinen Äußerungen. "Ich unterstütze nicht alles, was er sagt", gab etwa die 20-jährige Studentin Loes Snyers aus Belgien an. "Ich blicke vor allem auf die Musik."
In der Nähe des Stadions veranstaltete die jüdische Organisation Cidi eine Protestkundgebung gegen den auch als Ye bekannten Künstler. Auf Plakaten zeigten Teilnehmer antisemitische Zitate des Rappers. "Ich weiß, dass seine Fans wahrscheinlich wegen der Musik kommen, aber wir können nicht wegschauen vor dem Judenhass, den er in der Vergangenheit verbreitet hat", sagte Cidi‑Leiterin Naomi Mestrum.
In Arnheim ist am Sonntag ein weiteres Konzert von Kanye West geplant. Bürgermeister Ahmed Marcouch hatte die Veranstaltungen genehmigt - trotz "verwerflicher Äußerungen in der Vergangenheit". Eine Mehrheit der Abgeordneten im niederländischen Repräsentantenhaus forderte dagegen unlängst, West die Einreise zu verwehren. Der Minister für Asyl und Migration, Bart van den Brink, erklärte am Freitag, für ein Einreiseverbot müssten "klare Gründe" vorliegen. Solche Gründe seien "in den vorgenommenen Analysen" nicht gefunden worden.
Der Rapper war in den vergangenen Jahren immer wieder mit antisemitischen Äußerungen aufgefallen. Zum 80. Jahrestag des Weltkriegs-Endes im vergangenen Jahr veröffentlichte er einen Song mit dem Titel "Heil Hitler", zuvor vermarktete er T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck. Im Januar erklärte West im "Wall Street Journal", jüdische Menschen zu "lieben". Sein Verhalten rechtfertigte er mit seiner bipolaren Störung.
Seine in London und Polen geplanten Konzerte wurden abgesagt. Auch ein Konzert-Projekt in Basel in der Schweiz kommt nicht zustande. Nach Widerstand der städtischen Behörden und der französischen Regierung verschob der Künstler außerdem ein für den kommenden Donnerstag geplantes Konzert in Marseille auf unbestimmte Zeit. Dagegen können die Konzerte am 11. Juli in der albanischen Hauptstadt Tirana und am 25. Juli in der tschechischen Hauptstadt Prag wie geplant stattfinden.
J.Marty--VB