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Autofahrer rast in Fußgänger: Acht Verletzte in Modena in Norditalien
Ein Autofahrer ist in der norditalienischen Stadt Modena in eine Gruppe von Fußgängern gerast und hat dabei acht Menschen verletzt. Vier Menschen, unter ihnen eine Deutsche und eine Polin, erlitten schwere Verletzungen, wie Bürgermeister Massimo Mezzetti am Samstag sagte. Der Autofahrer wurde von Passanten überwältigt. Er hatte in der Vergangenheit unter psychischen Problemen gelitten, von einem terroristischen Tatmotiv ging der italienische Innenminister Matteo Piantedosi am Sonntag nicht aus.
Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten, wie der Mann - ein etwa 3ß Jahre alter Italiener mit marokkanischen Wurzeln - mit seinem Auto mit hoher Geschwindigkeit auf eine belebte Straße in der Innenstadt fuhr. Die Präfektin von Modena, Fabrizia Triolo, sagte, der Wagen habe mehrere Passanten erfasst und sei dann in ein Schaufenster gekracht. Dabei traf er auch mit voller Wucht eine Frau, deren Beine amputiert werden mussten.
Anschließend versuchte der Mann zu fliehen, wurde aber von vier Passanten gestoppt. Der Angreifer zog bei der Auseinandersetzung ein Messer und verletzte einen Mann.
Dieser sagte später mit blutüberströmten Kopf im italienischen Fernsehen, er habe sich auf den Boden geworfen, als das Auto auf ihn zugerast sei. Nachdem das Auto zum Stehen gekommen sei, habe er den flüchtenden Fahrer mit anderen Passanten verfolgt, sagte Luca Signorelli. "Er zog ein Messer, hat mich am Kopf getroffen und mir einen weiteren Stich in Richtung Herz versetzt, den ich jedoch abwehren konnte."
Der aus Ägypten stammenden 56-jährige Osama Shalaby berichtete italienischen Medien: "Ich habe meinen Sohn gesagt, dass er ihm hinterherlaufen soll. Er hat ihn gestoppt und ihn dazu gebracht, sein Messer fallenzulassen."
Die Wohnung des 1995 geborenen Autofahrers wurde von der Polizei durchsucht. Italienische Medien berichteten, es seien zunächst keine Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung gefunden worden. Der Mann war nicht polizeibekannt. Im Polizeiverhör wirkte er nach Berichten italienischer Medien "verwirrt" und antwortete nicht auf Fragen.
Präfektin Triolo sagte, der Mann habe 2022 "eine psychische Störung" durchgemacht. Er sei wegen "schizoider Probleme" in einer psychiatrischen Klinik behandelt worden. Triolo zufolge stand der Fahrer nicht unter dem Einfluss von "psychotropen Substanzen". Der Begriff umfasst Psychopharmaka wie auch Drogen.
Auch Innenminister Piantedosi sprach am Sonntag nach einer Besprechung in der Präfektur von Modena von "persönlichen" und "psychiatrischen" Problemen des Mannes. Die Ermittler prüfen demnach aber weiter, ob auch ein terroristisches Motiv vorliegt. "Es gibt bisweilen Situationen, in denen sich die Gründe überlagern, in denen jemand aus terroristischen oder aus anderen Motiven handelt. Lassen wir die Ermittler ihre Arbeit machen", sagte Piantedosi, der früher Präfekt im benachbarten Bologna war.
Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni sagte eine geplante Zypern-Reise ab und reiste am Sonntag nach Modena, wo sie zusammen mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella Verletzte im Krankenhaus besuchte. Sie bedankte sich zudem bei Signorelli für sein beherztes Eingreifen: "Helden sind keine außergewöhnlichen Menschen", schrieb Meloni im Onlinedienst X. "Es sind ganz gewöhnliche Männer und Frauen, die in einem entscheidenden Moment das Richtige über sich selbst stellen."
Rechtspopulistische Politiker nutzten den Vorfall, um strengere Einwanderungsregeln zu fordern. Der Chef der migrationsfeindlichen Lega-Partei, Matteo Salvini, erklärte, die Integration von Migranten zweiter Generation sei "gescheitert".
Modenas Bürgermeister Mezzetti rief für Sonntagabend zu einer Solidaritätskundgebung auf einem Platz in Modena auf. Er rief dazu auf, sich gegen jene zusammenzuschließen, "die spalten und Hass säen wollen", und sich ein Beispiel an den Menschen zu nehmen, "die gestern mit Zivilcourage, Mut und Selbstlosigkeit eingeschritten sind, um den Täter aufzuhalten und der Polizei zu übergeben". Der Mitte-Links-Politiker verwies darauf, dass der Autofahrer von Italienern, Ägyptern und Pakistanern überwältigt worden sei.
I.Stoeckli--VB