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Edenhofer warnt für den Winter vor Versorgungskrise bei Strom
Der Klimaökonom Ottmar Edenhofer warnt für den Winter vor einer "Versorgungs- und Sicherheitskrise" im Strombereich. Als Ursachen nannte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in der Funke Mediengruppe die "großen Ausfälle von Kernkraft in Frankreich, die ausgetrockneten Flüsse, über die kaum noch Kohle zu den Kraftwerken gelangt, und die steigenden Strompreise".
In dieser Lage zeigte sich Edenhofer auch offen für eine begrenzte Verlängerung von Akw-Laufzeiten. Diese sei allerdings "nur sinnvoll, wenn sie eine kurzfristige Versorgungskrise im Stromsektor verhindern hilft", stellte Edenhofer klar. Auch könne er nicht beurteilen, ob der diskutierte sogenannte Streckbetrieb funktioniere, ob ansonsten neue Brennstäbe schnell zu beschaffen seien und "ob für den Weiterbetrieb die sicherheitstechnischen Voraussetzungen gegeben sind".
Eine generell Abkehr vom Atomausstieg lehnte Edenhofer als "absurd" ab. Es gebe langfristig keine Zukunft für Kernenergie in Deutschland. "Der Ausstieg als Ganzes darf auf keinen Fall in Frage gestellt werden." Stattdessen müsse der Ausbau Erneuerbarer Energien vorangetrieben werden. Genau dies stocke derzeit allerdings, kritisierte er.
Trotz der zusätzlichen Probleme wegen der Trockenheit, "bedingt durch den jetzt schon stattfindenden Klimawandel", und der Folgen des Ukraine-Krieges hält Edenhofer die deutschen Klimaziele weiterhin für erreichbar. Allerdings sei "die Lücke zwischen den Zielen und ihrer Umsetzung durch den Ukraine-Krieg noch größer geworden", sagte er den Funke-Zeitungen.
Es gebe jedoch teils gegenläufige Effekte mit Blick auf das Erreichen der Klimaziele. "Im Verkehrs- und Gebäudesektor könnte es sein, dass wir sie in diesem Jahr deshalb erreichen, weil die Öl- und Gaspreise so stark gestiegen sind", sagte der Klimaökonom.
"Und im Energiesektor verstromen wir jetzt zwar mehr Kohle", dort aber würden die Emissionen gedeckelt durch den europäischen Emissionshandel. "Solange der funktioniert, wird deshalb in Summe trotzdem nicht mehr CO2 ausgestoßen", erklärte Edenhofer.
C.Kovalenko--BTB