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Venezuela: Regierung erhöht Mindestlohn um 26,3 Prozent
Vor dem Hintergrund wachsender Unzufriedenheit über schwierige Lebensbedingungen hat die Regierung von Venezuela den Mindestlohn in dem südamerikanischen Land um 26,3 Prozent auf 240 Dollar (knapp 205 Euro) erhöht. Es handele sich um "die bedeutendste Erhöhung der vergangenen Jahre", sagte Venezuelas Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez am Donnerstag am Vorabend des Internationalen Tags der Arbeit vor tausenden Regierungsanhängern in Caracas.
Rodríguez teilte die Aufschlüsselung der Erhöhung nicht mit, sodass unklar blieb, wer davon profitieren wird. In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche Menschen in Venezuela immer wieder für eine Anhebung der Löhne demonstriert. Am 9. April kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und tausenden Demonstranten, die zum Präsidentenpalast in Caracas marschierten, um Lohn- und Rentenerhöhungen zu fordern.
Die Erhöhung bezieht sich auf das "umfassende Mindesteinkommen". Dieses Paket setzt sich aus einem sehr niedrigen Lohn von 0,30 Dollar im Monat, zuzüglich eines Lebensmittelzuschusses von 40 Dollar und eines "Wirtschaftskrieg"-Bonus von 150 Dollar zusammen. Das ergibt insgesamt 190 Dollar.
Rodríguez kündigte außerdem eine Erhöhung der staatlichen Rente um 70 Dollar an, was nach ihren Worten einer Steigerung um 40 Prozent entspricht. Zugleich räumte sie ein, dass die Erhöhung "nicht genug" sei, und kündigte einen "Sonderplan für unsere Großväter und Großmütter" an. Die Ankündigungen wurden von Beifall und Jubelrufen der Menge in Caracas begleitet.
Trotz der Erhöhungen liegen die meisten Beschäftigten weiterhin weit hinter den 677 Dollar zurück, die eine fünfköpfige Familie nach Angaben venezolanischer Analysten benötigt, um ihre grundlegenden Nahrungsmittelbedürfnisse zu decken. Rodríguez beharrte auf der Notwendigkeit "verantwortungsvoller" Lohnerhöhungen, die die Inflation nicht weiter anheizen.
Rodríguez war nach der Gefangennahme des linksgerichteten Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte Anfang Januar zur Interims-Staatschefin ernannt worden. Davor war sie Maduros Stellvertreterin.
Unter Rodríguez hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und Venezuela in den vergangenen Monaten verbessert. US-Präsident Donald Trump lobte sie seit dem Machtwechsel als "fantastisch". Als Zeichen der Annäherung öffnete die US-Botschaft in Caracas nach rund siebenjähriger Schließung wieder. Zudem lockerten die USA ihre Sanktionen gegen das Land und hoben die Sanktionen gegen Rodríguez auf. Die Regierung in Venezuela fordert zudem eine Aufhebung aller US-Sanktionen gegen das Land.
R.Flueckiger--VB